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Nachlass Oberjäger Fick - 13./Gebirgsjäger-Regiment 99

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  • Hallo zusammen,


    möchte euch den kompletten und gut erhaltenen Urkundennachlass des späteren Oberjägers Walter Fick vorstellen, welcher während des gesamten Krieges in der 13. Kompanie des Gebirgsjäger-Regiments 99 diente.


    Fick wurde am 1. Oktober 1920 in München geboren und rückte wohl gegen Ende 1940 oder Anfang 1941 zur Wehrmacht ein.


    Zu Beginn des Unternehmens "Barbarossa", dem Angriff auf Russland, diente Fick in der 13./GJR 99. Mit diesem Regiment bzw. der 1. Gebirgsjäger-Division stieß er auf Lemberg vor und durchstieß die Stalin-Linie. Dann kämpften sie bei Winniza bis in den Raum von Uman. Hier erreichte Fick die Zahl von 3 mitgemachten Infanterie-Sturmtagen, wofür ihm am 11. August 1941 das Infanterie-Sturmabzeichen verliehen wurde.


    Man beachte den grossen DIN-A4 Vordruck, welche ich besonders gern mag. Interessant sind auch die oft bei den Gebirgsjägern verwendeten Dienstempel in der Farbe grün.


    Die Urkunde wurde unterschrieben vom Regimentskommandeur Oberst Hermann Kress, zuletzt Generalleutnant und Träger des Ritterkreuzes. Kress, geboren 1895, fiel genau 2 Jahre später am Mysschako südlich des Kubanbrückenkopfes.


    Die erste Verleihurkunde im Nachlass ist die Urkunde zum Eisernen Kreuz 2. Klasse, verliehen am 29. Oktober 1941 als Gefreiter in der 13./Gebirgsjäger-Regiment 99. Das Regiment unterstand während des gesamten Krieges der 1. Gebirgsjäger-Division, welche am 9. April 1938 in Garmisch-Partenkirchen, im Wehrkreis VII aufgestellt wurde. Der Einsatzort der Division befand sich im Herbst 1941 in Südrussland im Raum Stalino und am Fluss Mius. Die EK2-Urkunde wurde unterzeichnet vom Kommandeur der 1. Gebirgsjäger-Division, dem späteren General der Gebirgstruppe Hubert Lanz. Lanz erhielt bereits nach dem Frankreichfeldzug am 1. Oktober 1940 als Oberst im Generalstab und Chef des Generalstabes XVIII. Armeekorps das Ritterkreuz sowie einen Tag vor Heiligabend 1942 das 160. Eichenlaub.


    Sehr interessant ist die auf der Rückseite angebrachte Verleihungsbegründung.
    Aus dieser geht hervor, dass Fick am 6. Oktober 1941 beim Angriff auf einen Panzergraben bei Petershagen sich durch besondere Tapferkeit auszeichnete. So erstürmte er, nur mit Pistole und Handgranate bewaffnet, den feindlichen Grabenrand und teilte seinem Zugführer laufend wichtige Beobachtungen mit. Ausserdem zeichnete er sich bereits in früheren Kämpfen der Kompanie aus.


    Am 8. November 1941 erlitt Fick bei den Angriffskämpfen über den Mius seine erste Verwundung. Hierfür wurde ihm am 1. Februar 1942 das Verwundeten-Abzeichen in Schwarz verliehen. Die Urkunde wurde unterschrieben vom Kommandeur des III. Bataillons, dem späteren Oberst und Ritterkreuzträger Ludwig Hörl (1904 - 1993), welcher später von 1958 bis zum 31. März 1963 auch noch in der Bundeswehr diente im Range eines Oberst.


    Nach den harten Winterkämpfen 1941/42, bei denen sich Fick offentlich wieder durch besondere Tapferkeit hervortat, wurde ihm am 22. März 1942. nun schon zum Obergefreiten befördert, das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Die Urkunde trägt wieder die Signatur von Hubert Lanz. Die Divison befand sich bis April in Stellungskämpfen am Mius, wo sie schwere Verlute erlitt.


    Am 17. Juli 1942, ein wie ich finde relativ frühes Datum, wurde ihm die Ostmedaille verliehen. Wie immer üblich, wurde die Urkunde wohl erst gegen Mitte/Ende 1943 ausgestellt. Denn auf dieser wurde Fick bereits als Oberjäger geführt. Die Urkunde trägt die interessante Unterschrift des Bataillonsführers Gerhard Werner, Träger des Deutschen Kreuz in Gold, Ritterkreuz. Werner fiel am 8. September 1944 als Bataillonskommandeur des I. Bataillons Jäger-Regiment 734 bei einem Einsatz gegen Tito-Partisanen an der Mecoven-Strasse bei Mon Perestini in Westgriechenland. Für diesen Einsatz wurde er posthum noch zum Oberstleutnant befördert sowie am 23. März 1945 das 793. Eichenlaub verliehen.


    Im Sommer 1942 war das Regiment an der Eroberung des Elbrus beteiligt und kämpfte im Kaukasus. Im Verlauf des Jahres 1943 dehnten sich die Kämpfe bis auf den Kubanbrückenkopf aus. Am 22. März 1943 wurde das Regiment aus der Front herausgezogen und auf die Krim übergesetzt. Anschliessend wurde es per Bahn auf den Balkan verlegt. Von Bulgarien aus ging die Reise in die schwarzen Berge Montenegros, welche sie im April 1943 erreichten.


    Im Mai 1943 kam es dabei dem Balkan zu heftigen Kämpfen mit Tito-Partisanen während der "Operation Schwarz".


    Am 16. Juni 1943 wurde das Regiment nach Griechenland verlegt. Es marschierte nach Skoplje und empfing dort Tropenbekleidung. Anschließend verlegte das Regiment in den Raum von Epirus. Auch hier kam es wieder zu Partisanen-Einsätzen. Nach dem Wegfall Italiens als Büdnisspartner, kam es zudem zu Kampfhandlungen gegen den ehemaligen Verbündeten auf den griechischen Inseln.


    Am 16. Juli 1943 erreichte Fick die Zahl von 15 mitgemachten Nahkampftagen, vorausgegangen waren die oben erwähnten Kämpfe gegen Partisanen. Hierfür erhielt er, wiederum relativ früh, die 1. Stufe der Nahkampfspange. Damit zählt er zu den ersten Trägern der Nahkampfspange im GJR 99.


    Der Vordruck zur Nahkampfspange zählt zu den etwas selteneren und ist auf dickem, hartem Kartonpapier gedruckt. Die Urkunde wurde unterschrieben von Josef Remold, Oberst und Träger des Deutschen Kreuz in Gold. Remold ist einer der Verantwortlichen an den Erschiessungen von Kriegsgefangenen auf der Insel Korfu im September 1943. Nach der Kapitulation wurde er von den Briten an die Russen ausgeliefert. Dort befand er sich von Januar 1946 bis zum Januar 1951 in Kriegsgefangenschaft. Nur 4 Monate nach seiner Rückkehr wurde er zum ersten Präsidenten der Bayerischen Bereitschaftspolizei ernannt. 1962 ging er in Pension und erhielt das Bayerische Verdienstkreuz. Remold verstarb am 9. Oktober 1985 in München im Alter von 83 Jahren.


    Am 24. September 1943 setzte das Regiment auf die Insel Korfu über. Im Dezember 1943 wurde das Regiment in Bosnien und Kroatien gegen Partisanen eingesetzt.


    Dort soll das Regiment auch an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein. Es wurden auf Korfu Kriegsgefangene erschossen. Ob und wie weit Fick daran selbst beteiligt war, ist mir unbekannt. Da er zur Zeit der Kriegsverbrechen jedoch Angehöriger des Gebirgsjäger-Regiment 99 war sowie mehr als 2 Jahre Fronterfahrung vorzuweisen hatte, ist nichts auszuschliessen.


    Der Verpflichtungsschein, mit welchem sich Walter Fick am 2. Dezember 1943 für die Vollendung des 12. Dienstjahres vom 12. Dezember 1941 bis zum 11. Dezember 1951 zu allen Dienstleistungen in der Wehrmacht verpflichtet, lass die Vermutung offen, dass er wohl gefallen am Soldatenhandwerk gefunden hat.


    Der Verpflichtungsschein wurde unterschrieben vom Bataillonskommandeur Major Friedrich-Karl Scanzoni von Lichtenfels (geboren am 09.09.1908 in München), welcher 1944 zur Waffen-SS wechselte und am 25.11.1944 im Range eines SS-Sturmbannführers und Kommandeur SS-Freiwilligen-Grenadier-Regiment 80 bei Mohacs an der Donau gefallen ist.


    Ferne wurde der Schein unterschrieben von Oberst Josef Remold als Regimentskommandeur.


    Weitere Ordensverleihungen sind nicht bekannt, da keine Verleihurkunden vorliegen.


    Über Ungarn, den Plattensee und die Alpen führte der Rückmarsch Fick bis in die Ostmark, wo für ihn der Krieg beendet war. Ob er in russische Kriegsgefangenschaft geraten ist, entzieht sich meiner Kenntnis.


    Er hat den Krieg jedoch überlebt und beteiligte sich in der Nachkriegszeit aktiv am sammeln von Adressen ehemaliger Kompanie-Angehöriger und unterhielt Kontakte zu anderen Kameraden.


    Zum Nachlass gehören noch einige Postkarten von Gebirgsjäger-Kasernen in Garmisch sowie einem Edelweiss, dem Wahrzeichen der 1. Gebirgsjäger-Division.

    Ich hoffe, euch hat meine kleine Präsentation zugesagt und freue mich auf Kommentare/Ergänzungen/Lob/Kritik.


    viele Grüsse


    Bastel


    Edit: Das Forum zensiert lustigerweise automatisch den Nachnamen von Walter F.

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  • Hallo Bastel,
    ein sehr schöner und interessanter Nachlass einer gesuchten Einheit.
    Auch ein ganz großes Dankeschön an deine akribisch aus gearbeitete Präsentation, sehr interessant!


    Gruß Olli

    Suche:
    Urkunden der Sturmgeschütze und Panzereinheiten. Ausserdem Dokumente von Einheiten die 45 im Kampfraum Berlin und Oder kämpften, egal welcher Zustand!

  • Top Gebirgsjäger-Gruppe -


    Die Begründung auf den EK Urkunden, ist in den ersten Jahren bei der 1. GD sehr oft auf die Rückseite zu finden - Ansonsten eher seltener anzutreffen. - ( Immer interessant )


    Gruß
    Gebirgsgrenadier

    Suche: Urkunden und Besitzzeugnisse von Infanterie/Grenadier-Regiment 388 - Grenadier-Brigade 388, weiter Infanterie/Grenadier-Regiment 106, sowie 214. Infanteriedivision.

  • Guten Abend Bastel,


    Danke für die interessante Vorstellung eines Gebirgsjägers. Das i-Tüfelchen sind natürlich die Portraits zu den Unterschriften. Eine komplexe Ergänzung.


    Freue mich schon auf Deine nächse Präsentation.


    Grüße - Armin.

    Suche Soldbücher, Wehrpässe, Urkunden und Konvolute folgender Einheiten: 1. 7. Inf.-Div.: Inf.-Rgt. 19, 61 und 62, Div.-Einheiten 7, 2. gute Portraitaufnahmen der Dt. Polizei bis 1945. SAMMLUNG AUSGELAGERT!!!

  • Hallo Bastel,


    gerne nehme ich Dein Angebot an!


    Da ich gerne "Beiwerk" dabei habe, nicht nur Fotos, auch Schreiben, wünsche ich mir etwas in diese Richtung.


    Was Du zeigst, ob zu Lande, im Wasser, unter Wasser oder in der Luft, ist Nebensache ;)


    Ich wünsche Dir noch ein schönes entspanntes Restwochenende.


    Gruß
    Joachim

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