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Nachlass Obergefreiter Stab/Geb.Pz.Jäg.Abt.55

  • Servus,


    heute möchte ich Euch gerne den kleinen aber interessanten und traurigen Nachlass des Obergefreiten Johann Kührer vom Stab/Geb.Pz.Jäg.Abt. 55, 2.GebDiv, vorstellen.


    Johann Kührer wurde am 14.04.1907 in Pulkau, Niederösterreich geboren. Sein Zivilberuf war Kraftfahrer. Zur Zeit seiner Einberufung lebte er mit seiner Frau Bertha und dem 1936 geborenen Sohn Adolf in München.


    Sein Soldbuch wurde am 26.01.1941 von der 2./Pz.Jäg.Ers.Abt. 48 in Graz ausgestellt. Hier erhielt er seine Grundausbildung als Panzerjäger. Ich vermute, dass er als dann als Kraftfahrer eingesetzt wurde. Im Frühsommer 1941 erfolgte für den Schützen Kührer die Versetzung zur Fronttruppe, in seinem Fall der Stab/Geb.Pz.Jäg.Abt.55, der 2.GebDiv. Die 2.GebDiv stand ab dem 29.06.1941 im Feldzug gegen Sowjetrussland, im höchsten Norden der Ostfront. Die Geb.Pz.Jäg.Abt.55 wurde erst Ende 1940 in Nordnorwegen aufgestellt und war voll motorisiert. Abteilungskommandeur war Hauptmann von Seebach.

    In der stege- und wegelosen Tundra war die voll-Motorisierung der Abteilung eher ein Hindernis als ein Vorteil. Die PaK musste oft von der Bedienung selbst in Stellung gezogen werden, da eine verlasten auf Träger und Tragtieren nicht möglich war. Dadurch kam es, dass auch die Fahrer und Trossleute der Geb.Pz.Jäg.Abt.55 im infanteristischen Einsatz standen.


    Am 01.07.1941 wurde Kührer zum Gefreiten befördert.

    Mitte Juli stellte die Abteilung einen Sicherungsverband für die Vormarschstraße der Division im Abschnitt "Wasserfall 5km südöstlich Zapad Liza bis zum Südhang Herzberg". Im Gegensatz zur restlichen Ostfront stellte sich die verwendete 3,7cm PaK als ausreichend gegen die an der Eismeerfront eingesetzten, leichten sowjetischen Amphibienpanzer und Straßenpanzerwagen. Die kurze Schussweite der Waffe wurde bemängelt und schon kurz darauf setzte die Abteilung sowjetische Beute-PaK, zur Bekämpfung von Bunkern und Feindnestern ein. Während des Septemberangriff 1941 wurde eine aus der Geb.Pz.Jäg.Abt.55 gebildete Schützenkompanie am Brückenkopf ostwärts der Liza eingesetzt. Ein Zug der Abteilung lag zur selben Zeit, mit russischer Beute-Pak, auf der Kuppe 700m südwestlich des Lager Liza und bekämpfte Feindnester auf dem Westhang der Lagerhöhe. Nachdem im September 1941 der Vormarsch auf Murmansk nicht weiter möglich war, gingen die Deutschen in die Verteidigung über. Die schwer ausgedünnte 2.GebDiv wird von der 6.GebDiv abgelöst. Am 16.10.1941 erfolgte die Herauslösung der Geb.Pz.Jäg.Abt.55 aus dem Lizabrückenkopf. Mit dem 20.10.1941 trifft die Abteilung kompaniewiese im neuen Unterkunftsbereich bei Nyrud-Nautsi ein.


    Im Winter 19411/42 hatte die Abteilung den Auftrag die Aufklärung und Sicherung der Eismeerstraße bis Jäniskoski. Aufgrund der im Hinterland agierenden Partisanengruppen, war die Sicherung dieser "Schlagader" des Gebirgs-Korps Norwegen von größter Bedeutung.

    Am 16.04.1942 wurde der Gefreite Kührer mit dem KVK 2.Klasse mit Schwerter ausgezeichnet. Doch die Freude hielt sicher nur kurz. Der Blutmai 1942 stand kurz bevor!


    Nachdem starke sowjetische Verbände die Einheiten der 6.GebDiv in Bedrängnis brachten, mussten Einheiten der 2.GebDiv alarmiert werden. Am 30.04.1942 erfolgte die Alarmierung der Geb.Pz.Jäg.Abt.55, die im Raum der Titowkabrücke der 6.GebDiv zugeführt wird. Hier erlitt die Abteilung Hohe Verluste. Am 09.05.1942 Marschierte eine Kolonne der Abteilung von Höhe 240 zurück zur neu befohlenen HKL. Beim zurückgehen, in der Gegend der Landenge zwischen Riesen- und Wolfgangsee, wurden die Soldaten von Russen überrascht und ein Zug wurde gefangen genommen. Von 105 zurückgehenden Mann kamen zur 45 zu den eigenen Linien. Tags darauf erbittet die 2.GebDiv die Ablöse der Geb.Pz.Jäg.Abt.55, die 6.GebDiv stimmt zu und meldet nüchtern, dass die Kampfstärke der Abteilung nur mehr 45 Mann beträgt.


    Zum Glück überstand der Gefreite Kührer dem Maieinsatz 1942 auch unbeschadet. Nach dem abflauen der Kämpfe wird am 17.05.1942 ein Bergungskommando der Geb.Pz.Jäg.Abt.55 aufgestellt, das die Gefechtsfelder nach zurückgelassenen Waffen und Bekleidung absucht.


    Für die Abteilung geht es wieder in den rückwärtigen Frontbereich, wo weiterhin die Sicherung der Eismeerstraße befohlen war. Währen des 2.Polarwinters für Johann Kührer, wurde er am 01.02.1943 zum Obergefreiten befördert. Und kurz darauf, am 21.02.1943, mit der Ostmedaille ausgezeichnet.


    So vergeht ein weiteres Jahr an der Eismeerfront. Vom 20.05. bis zum 26.05.1944 wird de Obergefreite Kührer im Feldlazarett (mot) 680, in Salmijärvi, behandelt. Vom 09.07.bis zum 22.07.1944 nahm er an einem Feldkochlehrgang des XIX.Geb.A.K. teil. Also ist zu vermuten, dass er auch als Feldkoch eingesetzt wurde.


    Am 07.10.1944 begann die sowjetische Großoffensive, die den völligen Rückzug der deutschen Truppen von der Eismeerfront einläutete. Hier wurden auf sowjetischer Seite auch vermehrt Panzer eingesetzt. Dadurch erhielten die Panzerjäger wieder eine große Bedeutung, um den geordneten Rückzug über Finnland, nach Nordnorwegen zu ermöglichen. Am 09.10.1944 stand die Geb.Pz.Jäg.Abt.55 auf der Lanhöhe im Einsatz.


    Nach dem Rückzug nach Nordnorwegen erfolgte um den Jahreswechsel 1944/45 die Rückverladung der 2.GebDiv in das Reich. In Dänemark wurde die Panzerjägerabteilung neu armiert. Ende Jänner kommt die Abteilung im Elsass in den Einsatz, gegen vorrückende amerikanische und französische Verbände. Die Amerikaner setzten starke Panzerverbände ein, die Gebirgsjäger können nur zäh den befohlenen Abschnitt halten und müssen sich langsam nach Osten zurückziehen. Die Kämpfe ziehen sich durch die Saarpfalz, über Zerf und Trier, weiter nach Osten. Die Reste der Division wehrt sich zäh gegen die Amerikanischen Panzer, selbst die Gebirgsartillerie nimmt es im Direktbeschuss mit den Panzern auf. Im März 1945 versucht die 2.GebDiv das überschreiten des Rhein, durch die Amerikaner zu verhindern. Besonders wehrt sich die 2.GebDiv um die Rheinbrücke von Germersheim, welche von 25.03. bis 30.03.1945 gehalten wurde.


    Bei diesen schweren Kämpfen, um ein übersetzten der Amerikaner über den Rhein zu verhindern, muss der Obergefreite Johann Kührer schwer verwundet worden sein. Er wird in das städtische Krankenhaus Kaiserslautern eingeliefert wo er seinen Verletzungen, am 30.03.1945, erliegt. Als Todesursache wird "Kreislaufversagen nach schwerer Zertrümmerung des Gesäßes" angegeben.


    An seinem Todestag, nehmen die Amerikaner, Kaiserslautern ein. Durch die chaotischen Zustände in jenen Tagen, wird der Leichnam von Johann Kührer als "unbekannter Soldat" auf dem allgemeinen Friedhof in Kaiserslautern begraben.


    Im Jahre 1946 korrespondiert die Witwe Bertha Kührer mit dem Standesamt der Stadt Kaiserslautern, um die Grablage ihres Mannes zu finden. Leider war es nicht möglich eine 100%ige Gewissheit zu erhalten. Der Nachlass von Johann Kührer , darunter auch sein Soldbuch, wurde nach seinem Tod im Krankenhaus Kaiserslautern aufbewahrt, diesen erhielt nach Anfrage seine Witwe zugesandt.

    Hierbei handelt es sich um einen interessanten Nachlass einer Divisionseinheit der 2.GebDiv. Es ist auch ein trauriges Beispiel für ein Soldatenschicksal der 2.GebDiv. Er viel wie viele seine Kameraden kurz vor Kriegsende in der Heimat, nachdem die Division zum "verheizen" an die Westfront verlegt wurde.


    Schöne Grüße


    Austria12

  • Hier noch die restlichen Seiten des Soldbuches, der Brief des Standesamts Kaiserslautern und der Impfschein von Adolf Kührer, dem Sohn von Johann Kührer.

  • Hallo Austria12,

    ein wirklich tolles und sehr gut nachvollziehbares Konvolut, mit einer Top Präsentation!!!

    Leider hat es zum Ende hin noch so viele sinnlose Opfer gegeben wie auch dieses....

    Vielen Dank fürs vorstellen.

    Gruß Olli

    Suche:
    Urkunden der Sturmgeschütze und Panzereinheiten. Ausserdem Dokumente von Einheiten die 45 im Kampfraum Berlin und Oder kämpften, egal welcher Zustand!

  • Hallo Austria12,

    wie immer eine interessante Vorstellung über ein traurige Geschichte eines Soldat. Für mich ist der Dokumenten noch interassanter, als ich habe ein Jahr in Germersheim gewohnt.

    Weisst du welche Pak oder Fahrzeug hatte die Geb.Pz.Jäg.Abt. 55?


    Gruß aus Italien
    Pietro

    viele Grüße aus Italien, Pietro


    Suche Soldbücher, Wehrpässe, Urkunden und Dokumenten der 715. ID, 356. ID (August - September 1944) und deutscher Einheiten in der Toskana und im zentralen Sektors der Grüne-Linie (Bologna - Imola - Faenza).

  • Servus Olli und Pietro,


    es freut mich, dass Euch dieser kleine Nachlass auch so sehr gefällt.


    Pietro zu Deiner Frage: Im Erfahrungsbericht der Geb.Pz.Jäg.Abt.55 aus dem Jahre 1941, welcher im KTB der 2.GebDiv zu finden ist, steht, dass die Abteilung mit Opel LKW ausgerüstet war, vornehmlich Benzinmodelle, die Abteilung besaß auch Diesel-LKW, diese wurden aber vor dem Russlandfeldzug wieder abgegeben. Eine genaue Angabe der Modelle konnte ich noch nicht finden.


    Zuerst war die Abteilung mit 3,7 cm PaK ausgerüstet, kurz nach beginn des Russlandfeldzuges wurde dann auch die 45mm sowjetische Beute-PaK verwendet. In der Divisionschronik "Es war ein Edelweiß" wird berichtet, dass die Abteilung im Oktober 1944 auf der Lanhöhe die 7,5cm PaK einsetzte.


    Ich hoffe ich konnte ein wenig weiterhelfen.


    Schöne Grüße


    Austria12

    Ich suche immer Dokumente der 2.GebDiv und deren Teileinheiten dem GJR 136, 137, GAR 111, GebPi.Btl.82 und den Divisionseinheiten 67. Ferner suche ich auch immer Fotos von deutschen Soldatenfriedhof Parkkina-Petsamo. Ich bin Experte für die Geschichte der 2.GebDiv und allgemein zur Eismeerfront. Und ich besitze einiges an Literatur, auch selten Zeitgenössische zu dem Thema. Wenn jemand Hilfe oder Informationen braucht stehe ich gerne zur Verfügung.

  • Hallo Austria12,

    Herzlichen Dank!

    Ich habe weitere Informationen gefunden.

    Am Anfang März 1945 hatte eine Flak-Kompanie mit 6 leichte Kanonen, Eine mit 4 Hetzer 38 t (Kompanie 1055) und eine Kompanie (mot) mit 8 Pak, wahrscheinlich 7,5mm Pak. Die meisten Panzerjäger-Abteilung bekamen im 1945 die Hetzer. Noch interessanter!


    https://www.balsi.de/Weltkrieg…bteilungen/55-GebPzJg.htm


    Gruß aus Italien

    Pietro

    viele Grüße aus Italien, Pietro


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