Nicht verfügbar Nicht verfügbar Nicht verfügbar Nicht verfügbar

Nicht verfügbar Nicht verfügbar

Kleine Scharfschützengruppe

  • Hallo zusammen,


    nach längerer Abstinenz bin ich auch mal wieder hier im Forum unterwegs und möchte euch etwas besonderes Vorstellen.

    Von solchen Urkunden habe ich bis jetzt nur noch eine im WAF gesehen für 15 erzielte Abschüsse. Dagegen kommt einem eine Ritterkreuzmappe schon fast als Massenware vor nungut, lange Rede kurzer Sinn.


    Der Obergefreite Willi Pfirmann hat seinen Dienst in der 2. Kompanie des Grenadierregiments 689 der 246. Infanteriedivision geleistet.


    Dort erzielte er bis Anfang Mai 1944, 178 bestätigte Abschüsse wofür ihm am 28. Mai 1944 das Deutsche Kreuz in Gold verliehen wurde.


    Die Urkunde für 39 anerkannte Abschüsse wurde vom General der Infanterie Hans Jordan unterschrieben, ob das eine Art zwischen Anerkennung war ist mir nicht bekannt oder ob die Richtlinien erst später erstellt wurden. Da es eine Anerkennungsurkunde des kommandieren Generals laut https://www.tracesofwar.com/persons/file.asp?id=642 ab dem 50. Abschuss gab.


    Bei der zweiten Urkunde, welche vom Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, Generalfeldmarschall Ernst Busch unterschrieben wurde, handelt es sich um die Anerkennung für 100. anerkannte Abschüsse. Der 100. Abschuss war Begrüdnung für die Prüfung einer Verleihung mit dem EK1, welches Willi Pfirmann mit Stolz trug.


    Leider ist mir nicht bekannt, ob Willi Pfirmann bei der Vernichtung der Heeresgruppe Mitte in Gefangenschaft geriet oder ob er zu einer anderen Einheit gekommen ist.


    Meine Auswertung von ca. 4000 Seiten hat mir "leider" nur zwei Berichte der Propagandakompanie gebracht, die einmal vom 175-177 Abschuss berichten und einmal von einer Feier/Ehrung mit seinem kommandierenden General.


    Willi Pfirmann ist mit 178 anerkannten Abschüssen laut meiner Liste an Platz 9, der bekannten Scharfschützen mit Abschusszahlen!


    Gruß

  • Servus,


    Gratulation zu dieser sehr interessanten Urkundengruppe! Wie Du schon betont hast eine richtige Rarität.


    Besonders gefällt mir die sehr ansprechende Gestaltung der zwei Urkunden. Es ist mir schon oft aufgefallen, dass "divisionsinterne" Urkunden immer mit sehr viel liebe zum Detail gestaltet wurden.

    Auch Hut ab vor Deiner Recherche, man ist ja immer froh, wenn man zu einem Stück noch mehr Hintergrundinformationen erhält.

    Hast Du noch die andere Urkunden vom Gefreiten Pfirmann erhalten können?


    Platz 1 der erfolgreichsten Scharfschützen hatte je mit Matthäus Hetzenauer, ein Tiroler Landsmann von mir.


    Schöne Grüße


    Austria12

    Ich suche immer Dokumente der 2.GebDiv und deren Teileinheiten dem GJR 136, 137, GAR 111, GebPi.Btl.82 und den Divisionseinheiten 67. Ferner suche ich auch immer Fotos von deutschen Soldatenfriedhof Parkkina-Petsamo. Ich bin Experte für die Geschichte der 2.GebDiv und allgemein zur Eismeerfront. Und ich besitze einiges an Literatur, auch selten Zeitgenössische zu dem Thema. Wenn jemand Hilfe oder Informationen braucht stehe ich gerne zur Verfügung.

  • Hallo und danke für die Rückmeldungen.


    Leider gab es nur diese zwei Urkunden vom Soldaten selber, von seiner, laut Händlerbeschreibung Ehefrau, waren noch ein paar Schriftstücke in Form von Zeugnissen und einem Arbeitsbbuch dabei.


    Die internen Urkunden finde ich auch allgemein immer etwas besonderes, da wurde oft viel Liebe ins Detail gesteckt.


    Für die Zukunft halte ich natürlich weiterhin die Augen offen, ob mir noch etwas über den Weg läuft bzw. werde auch weiterhin versuchen mehr Informationen zu bekommen.


    Für euch Tippe ich auch noch die Berichte hier ab, könnte ja sein, dass die den ein oder anderen auch interessieren.


    Gruß

  • Hallo zusammen,


    auf die Zahl 100 komme ich durch die pdf im Link, da beim 100. Erfolg eine Urkunde vom vom Oberbefehlshaber der Heeresgruppe verliehen wurde.


    25. Abschuss: Verleihung einer Anerkennungsurkunde durch den Div.-Kommandeur

    50. Abschuss: Verleihung einer Anerkennungsurkunde durch den kommandierenen General und Prüfung eines EK2-Vorschlages


    75. Abschuss: Verleihung einer Anerkennungsurkunde durch den Oberbefehlshaber der Armee


    100. Abschuss: Verleihung einer Anerkennungsurkunde durch den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe. Prüfung einer Verleihung des EK1


    125. Abschuss: Überreichung einer Armbanduhr mit entsprechender Eingravierung im Namen des Oberbefehlshabers der Heeresgruppe


    150. Abschuss: Prüfung eines Deutschen Kreuz in Gold Vorschlages.

    -------------------------------------------------------

    Scharfschütze Pf....


    - Ein Scharfschützentag - Scharfes Auge und sichere Hand - Warten, warten! - Abschuss auf 700m Entfernung.


    Mittelabschnitt der Ostfront.


    Es ist zwischen 3 und 4 Uhr morgens. Im Osten zeigt sich der erste leise Schein der Morgendämmerung und lässt die Konturen jenseits des eigenen Drahthindernisses deutlicher werden.


    Das heftige Infanteriefeuer der Nachtstunden ist schwächer geworden. Die Nachtposten warten auf ihre Ablösung.

    Dies ist die Stunde, zu der auch der Scharfschütze Pf.. seinen Posten bezieht. Am Abend vorher hat er seine Waffe, an der das Objektiv des Zielfernrohres besonders auffällt, mit aller Sorgfalt von Staub und Pulverschleim gereinigt, den Lauf überprüft und durchgeladen. Gestern brachte ihm seine "getreue Braut" den 174. Abschuss. Nun ist der neue Tag da mit neuen Aufgaben.


    Die eigenen Stellungen sind "gut in Schuß" . Ein fester Laufgraben zieht sich vom eigenen Bunker nach den Stellungen der Nachbargruppe. Die Schützenstände sind feindwärst gut getarnt.


    Scharfschütze Pf.. geht auf einen Stand zu, der gestern besonders unter dem Feuer feindlicher Schützen lag. Hier werden ihm neue Erfolge nicht versagt bleiben.

    Er lässt sich von dem Posten genau einweisen. Nur ungefähr 80 Meter weit sind die ersten vorgeschobenen Stellungen des Feindes entfernt. Etwas weiter links - nach der Waldspitze zu - hat der Feind ein Maschinengewehr eingebaut.


    Dahinter, in vielleicht 400 Meter Entfernung, ragen mehrere freistehende Bäume gegen den Himmel.

    Sollten es vielleicht gar Baumschützen sein, die gestern seinen Kameraden so schwer zu schaffen machten?


    Nun ist es schon heller Tag geworden. Gespannt beobachten Pf.. durch das Glas zwischen als Tarnung vorgeschobenen Kiefernzweigen hindurch das Feindgelände. Da links, bei der MG-Stellung, sind ganz deutlich Bewegungen auszumachen. Für einen kurzen Augenblick hebt sich ein graugrüner Stahlhelm über die Deckung. Nun ist er wieder verschwunden. Pf.. hat sich die Stelle genau eingeprägt. Er schätzt die Entfernung, stellt das Visier und sucht für sein Gewehr eine gute Auflage.


    Nun ist der Feind auch zu hören. Leise hört er das Klicken des Durchladens. Vereinzelte Stimmen dringen herüber. PF. hat das Gewehr fest eingezogen. Er visiert den Punkt, an dem er eben den feindlichen Schützen beobachtete, genau durch das Zielfernrohr an und wartet, wartet auf den Augenblick, wo der Feind sich über die Deckung hebt, um gegen die eigenen Stellungen zu spähen.

    Seine geduld wird auf eine harte Probe gestellt.


    Ein Kamerad tritt zu ihm, nimmt das Fernglas zur Hand und beobachtet mit.


    Da, jetzt taucht der Stahlhelm auf. Darunter ist eine Hand breit das Gesicht des Feindes zu sehen. Im gleichen Augenblick zerreißt der peitschende Knall des Schusses die morgendliche Stille.

    Da drüben fällt ein Stahlhelm herab. Ein schwacher Ruft dringt herüber. Aufgeregte Bewegungen verraten, dass PF. den 175. Gegner erledigt hat.


    Ein fester Händeruck der Kameraden, und schon heißt es, wieder auf dem Posten zu sein.

    Das feuer der Gegenseite flackert auf. Die Einschüsse liegen unangenehm Nahe. Der Gegner schießt mit Explosivgeschossen.

    Es können nur die Baumschützen sein. Doch wo sitzen sie? Pf. nimmt das Glas und prüft jeden Ast, jedes dichtere Gezweig der hohen Kiefern, die über den feindwärtigen Wald emporragen.


    Da, leuchtet nicht eben etwas Helles in der Kiefer rechts? Die Augen saugen sich fest und versuchen das dichte Geäst zu durchdringen. Da- der Gegner ist genau auszumachen. Pf. nimmt die Stelle genau in sich auf, dann visiert er. Wieder ein kurzer, peitschender Knall. Drüben löst sich etwas vom Baum

    und bricht schwer durch die Zweige. Es ist der 176. Abschuss unseres Scharfschützen.


    Wir sind stolz auf unseren Kameraden, der uns im schweren Ablauf des harten Fronttages so entscheidend hilft.


    Der Gegner ist aufmeksam geworden. Seine Maschinengewehre nehmen Pf.´s Schützenstand unter Feuer. Es heißt, Stellungswechsel durchführen. Pf. begibt sich nach rechts. Dort ist eine vorgeschobene Sappe, in der nachts ein Maschinengewehr liegt. Hier hat man weiten Einblick in das Hintergelände des Feindes. Auf der Höhe sieht man das Dorf, in dem die Sowjets wahrscheinlich ihre B-Stelle untergebracht haben.


    Vom Nachbarabschnitt hört man die kurzen, berstenden Einschläge feindlicher Granatwerfer und Pak. Schwere "Koffer" segeln durch die Luft zu den rückwärtigen Stellungen.

    Der Kompanieführer ist zu Pf. getreten. Eine kurze, knappe Meldung - die Aufen Pf´s sind dabei weiter angespannt feindwärts gerichtet - und nun beobachten beide das Feindgelände.


    Plötzlich am Waldrand links Bewegung. Ein feindlicher Schütze, sicher ein Melder, versucht, geschickt die zahlreichen Mulden des Geländes nutzend, das rückwärtige Dorf zu erreichen. Jetzt ist er wieder verschwunden. Pf.. hat sein Gewehr im Anschlag.

    Weiter rechts muss der Feind wieder auftauchen, ehe er im kurzen Sprung eine Senke erreichen kann.Da ist er schon! Fast 700 Meter, doch für das scharfe Auge und die sichere Hand unseres Scharfschützen ist auch diese Entfernung nicht zu weit.


    Im gleichen Augenblick peitscht der Schuß auf. Der Feind macht noch einige Schritte, dann stürzt er zur Erde. Pf. hat seinen 177. Abschuss.


    Stumm drückt der Leutnant seinem Scharfschützen die Hand. Die klaren Augen blicken fest ineinander. Auf der Brust Pf´s glänzt das EK1, das er seit seinem 100. Abschuss voller Stolz trägt.


    -----------------------------


    Das war der erste Bericht, den zweigen Tippe ich bei Gelegenheit ab, ist etwas anstrengend.


    Da wird man schon nachdenklich, wenn man sowas liest, wenn ich Ehrlich bin.

  • Hi Andi,


    zunächst danke für deine Mühe, diesen Bericht hier einzustellen. :clapping_hands:


    Dein Gefühl beim Lesen kann ich durchaus nachvollziehen. Man muss hier jedoch bedenken, dass es sich mit Sicherheit um das Werk eines PK-Mannes handelt, der im Zeitgeist diesen 'Frontbericht' analog zu den Deutschen Wochenschauen geschrieben hat.

    Kannst du die Quelle dieses Berichts nennen (gerne auch per PN)


    Die Würdigung der Scharfschützen bzw. deren Erfolge durch Anerkennungsurkunden, Auszeichnungen und später durch das Scharfschützenabzeichen waren zwar analog deiner Auflistung geregelt, wurden aber definitiv nicht einheitlich durchgeführt.


    Bruno Sutkus zB hat 207 bestätigte Erfolge erzielt, erhielt aber weder ein DKiG noch ein RK. In seinem Buch sind seine zahlreichen Anerkennungsurkunden der jeweiligen OB's und kommandierenden Generäle abgebildet. Für seinen 100 Erfolg erhielt Sutkus das EK 1 und für den 150. Erfolg eine Uhr.


    Bin schon auf den 2. Teil deines Berichts gespannt.**



    Grüße Walle

  • Guten Morgen,


    denke hier geht es einigen von euch wie mir, da sammelt man schon über 20 Jahre Militaria und denkt man hat alles gesehen! Aber nein es kommt mit der Zeit immer mal wieder etwas, was man noch gar nicht kannte. Danke fürs zeigen dieser beiden tollen Urkunden.


    Sammlergruss

    Olli

    :!: Gesucht werden aktuell :!: Urkundengruppe mit Kubanschild & Demjanskschild :!:
    Achtung! Aus pers. Gründen dringend immer gesucht Dokumente, Wehrpässe, Soldbücher der 10.SS Panz. Div."Frundsberg" / 3. Inf. Div. (mot.) später 3.Panz. Gren. Div. / Panzer Grenadier Div. " Grossdeutschland" & Ihre Schwesterverbände sowie 8.Panz. Div. :!: Freue mich auf PNs von euch dazu ;tel;;KF;:!:


    Gruss
    Olli

  • Guten Morgen zusammen,


    @ Walle habe ich mir schon irgendwie gedacht, dass es bei den "Regeln" für die WÜrdigung der Erfolge bei Scharfschützen bei der Umsetzung verschiedene Auffassungen gab. Da ich den ein oder anderen gesehen habe, der mit 200 Treffern das Ritterkreuz begam und z.B. der Sutkus mit über 200 nicht. Kam vielleicht darauf an wie die Vorgesetzten zum Thema Scharfschützen standen.


    Zum Verfasser steht auf dem Blatt nur Pz.Prob.Komp. 697 Wortbericht aus der Truppe.

    Zufinden war das ganze in der Nararolle 304 PzAOK3.

  • - Ein Scharfschützentag - Scharfes Auge und sichere Hand - Warten, warten! - Abschuss auf 700m Entfernung.

    Danke für das Dokumentieren und die Mühe des Abtippens. Von woher stammt denn dieser literarisch gut aufbereitete "Bericht"?


    Beste Grüße


    Gustav

    SUCHE: Deutsche Kopfbedeckungen 1871-1960 Militär, Polizei, Feuerwehr usw. - Alles über Köln, Adressverzeichnisse, Fotos, Bücher usw. Bitte alles per Konversation mit mir anbieten.

  • Hallo Gustav,


    Das hier :


    Ein Scharfschützentag - Scharfes Auge und sichere Hand - Warten, warten! - Abschuss auf 700m Entfernung.


    ist von der Pz.Prob.Komp. 697 Wortbericht aus der Truppe. Wie geschrieben zu finden auf der Nararolle 304 PzAOK3. Einen Namen des Verfassers habe ich bei diesem Bericht nicht, beim zweiten steht er dann dabei .


    Gruß

  • Soo, erstmal ein Gutes und Gesundes neues Jahr an alle. Hab jetzt die Zeit gefunden, den zweiten Bericht abzutippen.


    Rechtschreibung ist so, wie im Bericht, außer vielleicht mal der ein oder andere Großbuchstabe, wenn z.B. mit Pf. oder Obgefr. abgekürzt wurde.

    __________________________________________________________________________________


    Kriegsberichterstatter Gotthilf Walter O.U, de 8. Mai 1944

    Pz.Prob.Komp. 697



    Frei Bb 10.05.1944 gez. Kaussler Oblt. U.Z.O.


    Unleserlich : NZ Pfalz



    Leistung zwischen den Schlachten


    Ein pfälzischer Infanterist und seine Leistung als Scharfschütze.



    Der Obergefreite Pfirmann hat als Scharfschütze in vier Monaten die Zahl von 178 bestätigten Abschüssen erreicht und wurde dafür von seinem kommandierenden General belobigt.



    PK. Einer der beiden Meisterschützen, die Gäste ihres kommandierenden Generals waren, ist der Obergefreite Pf. Sie sind beide vom selben Regiment und die nackten Zahlen ihrer Leistung sind wohl ungenügende Mittel eines Vergleiches.



    Der ostpreußische Kamerad erreichte seine höhere Zahl von 246 Abschüssen in der Zeitspanne von November und ihm blieb so ein Monat mehr als dem Obergefreiten Pf. Beide sind aber im Alltag des Grabenkampfes die Exponenten des Gegengewichts wider die sowjetischen Spezialisten drüben.


    Von dem ostpreußischen Kameraden sagte der kommandierende General, das er seine Arbeit betreibe wie eine Wissenschaft. Er ist von einer ganz persönlichen, ungewöhnlichen Systematik. Er hat seine Arbeit Kapitelweise durchdacht und bis ins Letzte geregelt, handle es sich um Tarnung, Beobachtung, den Anschlag oder die Methode, seine Stellungen anzulegen vorm Draht oder sonstwo.. Diese unerbittliche und darum wissenschaftlich zu nennende Gründlichkeit allein erklärt jene fast unglaubliche Tatsache, das er noch niemals gezieltes Feuer auf sich lenkte, noch niemals von einem Gegner also ausgemacht werden konnte.



    Der Obergefreit Pf.. ist Pfälzer, und es ist wahrhaft interessant, seine unbekümmerten Beweglichkeit die zähe Konsequenz den Ostpreußen gegenüberzustellen.


    Für Pf. Ist vielleicht bezeichnend seine Liebe zum Duell..


    So entstand die Absicht, dass er seine Arbeit wie einen Sport betreibe.


    Diesem aber steht ja immer das Moment des Wagnisses zu um dessetwillen man immer wieder einmal auch einen Gefahrenpunkt ausser acht lässt. Ja so ist der Obergefreite Pf. Gerade wenn er z.B. weis, dass er sechs weibliche Scharfschützen der Sowjets vor sich hat, dann ist er der Drang zu, Wagnis, der ihm irgendwie ein anderes Revier gebietet ,.. und es ist so der Protest zugleich seiner gesunden, soldatischen Männlichkeit gegen anrüchige und fragwürdige Methoden.



    So ist es der Infanterist in Ihm, der ihn immer wieder weiter nach vorn treibt als seine Optik bedürfte..


    Und so kommt es , dass er nachts weit vorm eigenen Graben 200 Meter vor den Sowjets den Stand bezieht für den Tag.


    „Da passierte es“, sagt er „Gegen 16 Uhr fällt der 5. Posten und sie wissen nicht woher der Schuss kommt .. und jedesmal gibt es nichts als eine wüste Schießerei, weit hinter mich, auf die Gräben zu ..“. Möglichst nahe ran! Das ist ein guter infanteristischer Grundsatz, über den man die Optik eben nicht immer bis zu ihren letzten Möglichkeiten beansprucht.



    Auf unserer kanzelartig vorspringenden Stellung ist der zweite Posten durch sowjetische Scharfschützen ausgefallen. Da verlegt Pf.. sein Revier in diese Kanzel.


    Da die Gräben beiderseits tief zurückspringen, zieht der schmale Bogen wie ein Magnet gezieltes Feuer auf sich. Außerdem liegen wir tiefer als die drüben. Der Obergefreite bringt den Grabenspiegel mit, dreht stundenlang, sucht in jedem Farbfleck, jedem Erdhaufen. Er kann nichts finden.


    Dreimal versucht er, das Gewehr vorsichtig übern Grabenrand zu schieben und jedesmal ist prompt das Feuer da, wie er auch wechselt. Da nimmt Pf. sachlich die Qualität seines Gegners zur Kenntnis und spürt den entfachten Ehrgeiz. Er sieht im Grabenspiegel genau, warum der Posten neben ihm so aufgeregt ist: da drüben geht einer durch den Grabe,, so als ginge er spazieren, immer wieder bis zur Brust sichtbar. Es ist ein alter, bärtiger Rotarmist, sicherlich über die fünfzig hinaus.


    Pf. Lässt ihn wandeln und sucht intensiver. Er weiß ja wie das gemeint ist. Man lässt einen seine Haut zu Markte tragen um den Gegner in den Anschlag zu locken. Auf diesen Augenblick wartet der Scharfschütze drüben. Da kommt der Bataillonsführer und der Meisterschütze macht keine eitlen Hoffnungen. Vielmehr äussert er schlicht und grimmig, dass wohl ein ausgiebiger Feuerschlag das Beste wäre. Währenddem geht da drüben im Graben der „Unempfindliche“, dem keineswegs der Ehrgeiz des Obgefr. Gehört.



    Später heißt er dem Posten auf einem Stock einen Stahlhelm vorsichtig übern Grabenrand zu schieben. Diesmal sieht er genau, woher der Schuss kommt und geht in Anschlag. Und da des Gegners Schuss gut sitzt, entzündet eben der Ehrgeiz der besseren Leistung seine große Gedult.


    Wieder geht der Helm nach oben, aber im Augenblick des eigenen Schusses zischt hinter ihm das Geschoss des Gegners in den Lehm: sie haben zur selben Zeit geschossen und die Leuchtspur des Obergef. Weist haarscharf rechts vorbei. Die Kanzel gibt wenig vorteilhafte Schusspositionen und so kommt es, dass sie siebenmal zur selben Zeit anlegen: aus dem Lauern ist das verbissene Duell geworden.


    Es ist schon spät und der wechselt immer noch drüben. Aber zuletzt machte er doch eine ungeschickte Bewegung drüben, beugte sich zentimeterweit seitwärst im Anschlag. Da krümmt PF.. durch. Drüben macht der Lauf eine ungesteuerte Bewegung, wird ruckhaft in die Höhe gerissen vom Kolben her, der Absackt in den Graben. Das traf. Und der Posten in der Kanzel hat für seine Ablösung ein wahres Geschenk, wenn er sagt, dass Pf.. den da drüben ausgeschaltet habe.



    Ja am sportlichen Ehrgeiz entfacht sich beim Obgefr. Pf. Ein Maas von Geduld, wie es ihn nicht von vorneherein auszeichnet, den liebenswürdigen. Beweglichen Pfälzer. Es kann ihm auch einmal zu Lange werden, das Warten. Dann geht er den Graben zurück .. Irgendwo grenzt ein See an, in dem er Hechte feststellte. Und er legt sich auf die Lauer. Es ist die Zeit des Laichens und so kommt er zum Schuss. Dann bringt er zwei wohlgeratene Hechte in den Bunker und brät sie, für sich und die Kameraden…


    Er ist wahrhaft ein guter Kamerad.. und hat sich doch kaum einmal Gedanken darüber gemacht, dass sein Tun für die anderen sich von Tag zu Tag zur Leistung häufte, zur besonderen Leistung eines Infantristen, alltäglich geübt, auch in der Zeit zwischen den Schlachten.

  • zunächst mal dir herzlichen Dank, dass du für uns diesen Bericht abgetippt hast.

    Hallo Andi,


    ich möchte mich noch ausdrücklich dem Walle anschließen! Diese Arbeit war/bleibt nicht selbstverständlich. Danke!


    Beste Grüße


    Gustav

    SUCHE: Deutsche Kopfbedeckungen 1871-1960 Militär, Polizei, Feuerwehr usw. - Alles über Köln, Adressverzeichnisse, Fotos, Bücher usw. Bitte alles per Konversation mit mir anbieten.

  • Hallo zusammen,


    fast Jahrestag vom Thread...


    Über unseren Scharfschützen hatte ich bis vor 2-3 Wochen trotz intensiver Suche nichts gefunden.


    Da habe ich mir mal wieder eine andere Urkundengruppe angesehen und da viel mir die Verleihungsliste auf, die sich in der Gruppe befand und da kam mir die Idee, ich suche mal im Internet nach einer Verleihungsliste für den Mai 44, da wir ja wissen, im Mai wurde ihm das Deutsche Kreuz in Gold verliehen.


    Idee gleich umgesetz und ein Norddeutscher Händler hatte welche für Mai im Angebot, auf den vorhandenen Mailisten nirgendwo der richtige Name.


    Dann dachte ich mir, war ja Ende Mai die Verleihung, schauen wir doch mal in den Juni (gabs auch beim Händler) und was soll ich sagen, bei der zweiten Liste stand dann der Name drauf.


    Habe mich natürlich gefreut und trotz des Preises zugeschlagen, da ich denke, dass das die Gruppe aufwertet.


    (Was ich so mitbekommen habe, ist das fast wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, eine Verleihungsliste mit der gesuchten Person zufinden, wenn sich die Liste nicht schon im Nachlass befindet.)


    Das lehrt uns Nie aufgeben, weder im "richtigen" Leben noch beim Hobby :)


    Mal sehen ob ich vielleicht noch was zu dieser, in meinen Augen, einmaligen Gruppe finde.


    Schönen Abend und Gruß an alle

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!