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Nachlass Gefr. Siegfried Fritz Schwaderer, 16. Kompanie / Jäger-Regiment 56, 5. Infanterie- und Jäger-Division u. Geschichte Divisionsfriedhof Bol Gorby

  • Liebe Forumsfreunde,

    heute habe ich wieder einmal Zeit gefunden um Euch den Wehrpass eines Gefreiten der 16. Kompanie im Jäger-Regiment 56 vorzustellen. Auch dieser Wehrpass ist auf den ersten Blick nicht spektakulär und Siegfried Schwaderer teilte das selbe sinnlose Schicksal wie so viele junge Soldaten jener Zeit.


    Jedoch fand der Gefreite Schwaderer seine letzte Ruhestätte auf dem Divisionsfriedhof der 5. Infanterie- und Jäger-Division in Bol Gorby, in der Nähe von Staraja Russa. Dieser Umstand ist für mich und die Geschichte der Division jedoch aus mehreren Gründen sehr bedeutsam. Zum Einen fanden dort über 1400 Soldaten aus diesem Kampfraum und viele Kameraden der 5. Jäger-Division die letzte Ruhestätte. Zum Anderen wurde der Friedhof nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs im Sumpfwald von Bol Gorby wiederentdeckt und von den heimgekehrten Kameraden bis vor wenigen Jahren in Kooperation mit russischen Einwohnern hergerichtet und gepflegt. Dieser Umstand ist doch sehr einzigartig in der Nachkriegsgeschichte. Die Versöhnung über den Gräbern war dann auch hautnah bei meinem Besuch auf diesem Friedhof zu spüren......


    Soviel für heute.....


    Beste Grüße

  • Siegfried Fritz Schwaderer wird am 19. Januar 1910 in St. Georgen bei Villingen geboren. Nach Abschluss der Volksschule erlernt der junge Siegfried den Beruf des Metzgers und tritt nach der Gesellenprüfung in die Fußstapfen seines Vaters. Am 2. September 1938 wird er in Rottweil gemustert und als bedingt tauglich eingestuft.......


    Beste Grüße

    Bolgorby

  • So - heute bei diesem Wetter soll es mal etwas weiter gehen....


    Am 28. Februar 1940 bekommt Schwaderer vom Wehrmeldeamt Rottweil den Entscheid über die Aushebung zum aktiven Wehrdienst. Er soll zur Infanterie-Panzer-Abwehr-Ersatz Kompanie 78 einberufen werden. Doch durch einen Nachtrag vom 10.06.1940 wird dieser wieder abgeändert und Schwaderer wird nun aus der Wehrüberwachung zur Infanterie-Ersatz-Panzer-Jäger-Kompanie 205 ausgehoben.

  • So beginnt der junge Soldat seinen Wehrdienst am 10. Juni 1940 bei der Infanterie (Panzerjäger) Ersatz-Kompanie 205 in Mährisch-Weisskirchen. Auf der Seite 11 des Wehrpasses ist auch erklärt, dass Schwaderer auf Grund der Einstellungsuntersuchung vom Februar 1940 wieder zurück nach Schwenningen in Marsch gesetzt wurde. Das Ärztliche Urteil lautete B45. Kann das jemand erklären?

  • Nach einer vier Monate dauernden Ausbildung in Mährisch-Weisskirchen wird er zu seiner Fronteinheit, der 14. (Panzer-Jäger) Kompanie im Infanterie-Regiment 56 kommandiert. Am 13. Oktober 1940 ist der Frankreich Feldzug erfolgreich beendet und die Division liegt seit 12. Juli im Raum von Besançon. Das Infanterie-Regiment bezieht hier Quartiere nordwestlich Salins und versieht Wachdienst an der Demarkationslinie. Mit seiner 14. Kompanie nimmt Schwaderer dann auch am Vormarsch auf Russland teil, bevor die Division Ende 1941 auch wieder nach Frankreich zur Auffrischung transportiert wurde. Hier ändert sich dann auch die Kompanie-Bezeichnung in 16. Kompanie, als die Division in eine leichte Infanterie-Division, später Jäger-Division umgebaut wurde.

  • Nach kurzer Auffrischung und Umgliederung in Frankreich wird die Division zu Beginn des Jahres 1942 im Eilmarsch an den russischen Ilmensee verlegt. Schwaderer ist inzwischen zum Gefreiten befördert worden und wird mit seiner 16. Kompanie aus den Transportzügen heraus sofort in die Kämpfe geworfen. Einfahrende Züge werden von den Russen schon am Bahnhof unter Feuer genommen und die Soldaten des Regiments 56 müssen sich mühsam im hohen Schnee vorkämpfen. Es ist höchste Eile geboten und Staraja-Russa darf als Versorgungsknoten nicht in feindliche Hände fallen, denn sonst läuft die Wehrmacht Gefahr, die eingeschlossenen Truppen im Kessel von Demjansk zu verlieren. Es gilt dieses eingeschlossene Armeekorps schnellstmöglich zu erreichen und aus der Umklammerung der Russen zu befreien.


    Doch am 20. April 1942 wird der Gefreite Schwaderer durch ein Infanterie-Geschoss an der Schulter verletzt und auf den Hauptverbandplatz von Bol Gorby gebracht. Dort ringen die Ärzte der Sanitätskompanie 5 um sein Leben und verlieren den Kampf. Schwaderer stirbt dort an den Folgen des Schulter- Steckschusses vom Vortag und wird 1,5 km vom Ort Bol Gorby beerdigt. Ihm wird noch am 21. April das Infanteriesturmabzeichen in Silber verliehen. Bedauerlicherweise ist diese Urkunde nicht in unserem Besitz.

  • Bei den schweren Kämpfen um die Befreiung des Kessels von Demjansk fallen viele Soldaten der 5. Jäger-Division. Zuerst werden diese in zahlreichen kleinen Grablagen beerdigt, bevor man anfängt einen großen Divisionsfriedhof am Knüppeldamm bei Bol Gorby anzulegen. Dort werden schlussendlich über 1400 Soldaten beerdigt, hauptsächlich der 5. Jäger-Division, aber auch viele von anderen Einheiten. Dieser Friedhof war allen heimkehrenden Soldaten der Division in schrecklicher Erinnerung geblieben, da doch fast jeder von ihnen dort einen guten Kameraden zur letzten Ruhe gebettet hatte.


    Der Friedhof wurde im Sumpfwald angelegt. Hierzu musste rund um den Friedhof ein Drainagegraben für die Trockenlegung angelegt werden. Im Zentrum des Friedhofs befand sich eine kleine Halle und ein großes Holzkreuz. Die Gräber wurden in langen Reihen angelegt, zuerst mit Kreuzen und später bekam jeder Soldat ein Birkenschild mit seinen Daten.

  • Die 5. Jäger-Division lag bis zum Herbst 1943 in den Stellungen der Ilmenseefront im Kampf um den Kessel von Demjansk. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Friedhof von Bol Gorby von den Angehörigen der Division liebevoll gepflegt und weitere Zubettungen fanden statt. Das Gräberfeld war bei allen Landsern der Division - DER Divisionsfriedhof der 5. Jäger-Division. Deutlich erkennbar war dies durch das Ulmer Münster auf den Eingangstoren und der Inschrift zur Friedhofshalle. Im Herbst 1943 wurde die Division in den Mittelabschnitt der Ostfront verlegt und der Abschied von so vielen gefallenen guten Kameraden fiel unendlich schwer. War es ein Abschied für immer? Zu diesem Zeitpunkt dachte niemand daran, dass irgendwann einmal ein Angehöriger der 5. Jäger-Division wieder einen Fuß auf den Friedhof setzen würde. Doch es kam ganz anders.......

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