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Obergefreiter Josef Plattner, 3./GAR 111, Klerikerstudent

  • Servus,


    heute möchte ich Euch den Wehrpass des Obergefreiten Josef Plattner vorstellen.


    Josef Plattner wurde am 10.02.1915 in Rietz/Tirol geboren. Er besuchte 7 Klassen Gymnasium, im Anschluss wollte er eine Laufbahn als römisch katholischer Priester einschlagen und studierte Theologie, was im Wehrpass als "Klerikerstudent" eingetragen wurde.

    Nach dem Reichskonkordat zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl, konnten im Falle einer allgemeinen Mobilmachung auch Priester sowie Studenten der Theologie und Philosophie zum Wehrdienst einberufen werden, diese sollten aber primär dem Sanitätsdienst zugeteilt werden.


    So musste auch Josef Plattner sein Studium abbrechen und wurde am 17.07.1939 im WBK Bregenz als tauglich gemustert. Bereits bei der Musterung wurde er vorgesehen für die Aushebung bei der II./GAR 111 in Hall in Tirol.

    Am 06.10.1940 rückte Josef Platter zur 3./Geb.Art.Ers.Regt. 111, in Solbad Hall in Tirol ein. Hier erhielt er seine Grundausbildung als Gebirgsartillerist an der Gebirgskanone M15, ein Skoda-Geschütz, welches bereits im 1.Weltkrieg eingesetzt wurde, und dem Karabiner 98K.

    Nach der Grundausbildung erfolgte für den Kanonier Plattner die Abstellung zur Fronttruppe, in seinem Fall die 3./GAR 111, der 2.GebDiv. Laut Gefechtskallender dürfte er am 31.07.1941 bei der fechtenden Truppe angekommen sein. Zu dieser Zeit stand die 2.Gebirgs-Division an der Eismeerfront, wo der Vormarsch nach Murmansk bereits ins Stocken geraten war. Die 2.GebDiv hielt in der wegelosen Tundra einen Brückenkopf ostwärts des Flusses Liza. Das Kriegstagebuch der 2.GebDiv schildert zu dieser Zeit, dass das GAR 111 immer die Angriffe mit Feuer unterstützte, erkannte Feindansammlungen, fdl.Trägerkollonen sowie Feindbatterien bekämpfte und oft Sperrfeuer schoss. Als Feuerunterstützung für den Septemberangriff 1941, wurde die 3./111 in den Lizabrückenkopf verlegt, wo sie südlich des Russenlagers in Feuerstellung gingen. Nachdem dieser Angriff nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte ging die 2.GebDiv in die Verteidigung über und legte winterfeste Stellungen an. Die 6.GebDiv soll die 2.GebDiv im Oktober 1941 aus dem Lizabrückenkopf ablösen, zu den letzten Einheiten die abgelöst wurden zählte das GAR 111, die ausgezehrten Batterien konnten in die lang ersehnten Ruhestellungen in Nordfinnland und Nordnorwegen einkehren.


    Nach dem ersten Polarwinter, kam für den Kanonier Plattner eine weitere harte Probe. Am 27.04.1942 starteten die Russen ein Großoffensive an der Eismeerfront. Nach und nach mussten immer mehr Einheiten der 2.GebDiv alarmiert werden, um die Vernichtung des Gebirgskorps Norwegen zu verhindern. Auch die Artilleristen mussten mit der Waffe in der Hand ihre Stellungen verteidigen, wenn der Feind vor ihnen durchgebrochen war. Nach zähem ringen konnte die sowjetische Offensive gestoppt werden, und in mehreren Gegenstößen die alten Stellungen wieder erreicht werden. Doch das Gebirgskorps Norwegen hatte große Verluste zu beklagen.


    In den folgenden Jahren, entwickelte sich die Eismeerfront zum Stellungskrieg, die 2. und 6.GebDiv wechselten sich im Lizabrückenkopf ab und die 2.GebDiv hielt auch die Sicherungsfront im südlichen Abschnitt der Eismeerfront. Nachdem die 3.Batterie mit dem Gebirgsgeschütz 36 ausgerüstet wurde, erhielt auch Josef Plattner die Ausbildung dafür. Laut Wehrpass wurde er auch als Hilfskrankenträger eingesetzt. Mit dem 01.09.1942 wird er zum Gefreiten und am 01.04.1943 zum Obergefreiten befördert.


    Am 18.09.1944 wird dem Obergefreiten Plattner das KVK 2.Klasse mit Schwerter verliehen. Doch wieder zieht ein unheilvolles Ereignis herauf. Am 07.10.1944 starteten die Sowjets eine nie dagewesene Großoffensive, die bereits am ersten Tag große Durchbrüche erzielte. Die I./GAR 111 lag zu diesem Zeitpunkt im Stellungsraum 2km östlich des "Isarlagers". Bereits am 07.10.1944 gingen fast alle Batterien des GAR 111, welche östlich der Titowka lagen verloren. Entweder wurden sie von den schnell vordringenden Sowjets niedergekämpft, oder sie konnten nicht mehr über die Titowkabrücke zurück und so mussten die Geschütze gesprengt werden, um nicht den Feind in die Hände zu fallen.


    Leider sind im Wehrpass keine weiteren Eintragungen zum verblieb vom Josef Plattner. Ist er im Oktober 1944 in Gefangenschaft geraten? Oder konnte er sich mit der 2.GebDiv kämpfend nach Norwegen zurückziehen? Falls ihm dies gelang wurde er zusammen mit der 2.GebDiv zur Jahreswende 1944/45 über Norwegen in das Reich verlegt. In Dänemark erhielt das GAR 111 neue Geschütze und wurde Ende Jänner 1945 an die Westfront in den Elsass verlegt. Hier musste das GAR 111 zum Teil im Direktbeschuss Panzer mit ihren Geschützen bekämpfen. Es folgen weitere Rückzugsgefechte um Trier, in der Saarpfalz bis die 2.GebDiv schließlich in Kössen in Tirol kapitulierte.


    Eventuell hat der Krieg bei Josef Plattner einen Interessenswandel hervorgerufen. Er wählte nicht mehr die priesterliche Laufbahn und heiratete am 17.09.1951.


    Ich hoffe ich konnte Euch wieder einen interessanten Einblick in das Leben eins Artilleristen der 2.GebDiv geben.


    Schöne Grüße aus Tirol


    Austria12

  • Hier noch die restlichen Seiten des Wehrpasses.

  • Hallo Austria,


    vielen Dank für das Zeigen dieses sehr interessanten Wehrpasses. Ich kenne auch noch einen lebenden Hauptmann meiner 5. Division. Er war Theologiestudent und kämpfte als Kompanieführer in einem Jäger-Regiment. Nach dem Kriege wurde er evangelischer Pfarrer...... Welche Zerreißprobe muss das während dem schrecklichen Töten im Krieg gewesen sein.


    Beste Grüße

    Bolgorby

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