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P. N., Organisation Todt Kirkenes

  • Hallo nochmal,


    ich habe mich jetzt hier umgesehen, etwas verwirrt über die Fülle und frage einfach mal in die Runde wie ich mein Anliegen am besten wo präsentiere und um Hilfe bitte.

    Es geht um meinen Großvater Peter Nicolai, geb. 01.09.1909 in Eckernförde, verstorben 31.07.1944 in Lazarett Svanvik, südlich von Kirkenes. Beerdigt am 09.08.1944 in/bei Kirkenes, später verlegt, jetzt Friedhof Rognan. Den Tod verursachte eine Lungenentzündung, Auslöser war der Versuch einige Tage (?) vorher, sich zu erschießen. Die alles übergreifende Frage ist natürlich warum er das getan hat. Er gehörte zu der Organisation Todt, war in Kirkenes stationiert und zuständig für den Bau von Unterkünften. Er war Haupttruppführer und zwecks Absprachen oft in Rovaniemi, dort auch etwas länger. Es wurde in der Familie davon gesprochen, dass er mit militärischen Ehren auf einer kleinen Insel vor Kirkenes beerdigt wurde, was ich selbst jedoch etwas anzweifel. Er soll wohl, bevor er nach Rognan verlegt wurde, noch einmal mehr umgebettet worden sein.

    Auch wurde angedeutet, erhätte mit den Russen Schwarzhandel betrieben.


    Wenn mir jemand helfen könnte, irgendetwas zu finden, wäre ich sehr dankbar.



    Liebe Grüße,


    Andrea

  • Hallo Andrea,


    willkommen hier im Forum. ja, in der hier gibt es eine Fülle an Material und Informationen.


    Ich verstehe Deinen Wunsch, Informationen über Deinen Großvater zu erhalten.

    Mit dem Thema OT habe ich mich eigentlich noch nie beschäftigt, weiß deswegen auch nicht, was im Netz zu finden ist.


    Am naheliegendsten wäre eine Anfrage bei der "Deutsche Dienststelle" (= Wehrmacht-Auskunftsstelle). Dort habe ich bei meinen Angehörigen nachgefragt. Meine erste Anfrage war vor der Wende, dabei erhielt ich nach Monaten eine schriftliche Auskunft. 10 Jahre später war man dort in der Lage, Fotokopien von den erhalten gebliebenen Dokumenten (Wehrpass, Wehrstammbuch, Soldbuch und militärischer Schriftverkehr) anzufertigen und mir nach Zahlung einer Bearbeitungsgebühr zuzusenden.


    Und dann müsste man weitersehen.


    Beste Grüße - Armin.

    Suche Soldbücher, Wehrpässe, Urkunden und Konvolute folgender Einheiten: 1. 7. Inf.-Div.: Inf.-Rgt. 19, 61 und 62, Div.-Einheiten 7, 2. gute Portraitaufnahmen der Dt. Polizei bis 1945. SAMMLUNG AUSGELAGERT!!!

  • Servus Andrea,


    es sind interessante Fakten, die Du uns hier schilderst, und für mich persönlich sehr interessant. Mein Urgroßvater war selbst als OT-Meister in Nordnorwegen, im Raum von Tömmernes im Einsatz. Zudem starb Dein Großvater im hohen Norden Norwegens, ganz in den nähe der Eismeerfront zu der ich sehr viel recherchiere, gerade auch zur Bestattungspraxis in der Wehrmacht und den zivilen Frontarbeitern und dem Wehrmachtsgefolge.


    Die folgenden Anmerkungen beruhen auf meine Recherchen zum Deutschen Soldatenfriedhof in Parkkina-Petsamo, Nordfinnland, bzw. heute Nordwest-Russland. Und vor allem geht es hier um Heeresangehörige.


    1. Selbstmörder wurden, bis auf wenige Ausnahmen, nie auf regulären Soldatenfriedhöfe, Heldenfriedhöfe (vorbehalten für im Kampf gefallene, nach Verwundung, Unfall oder Krankheit verstorbene) bestattet. Selbstmörder wurden entweder auf einem Zivilenfriedhof oder auf extra angelegten "Sonderfriedhöfen" bestattet. Die Bestattung fand ohne militärische Ehren und meist ohne Anwesenheit eines Geistlichen statt.


    2. Nach jedem Selbstmord oder Selbstmordversuch ermittelte die Feldgendarmerie und das Divisionsgericht warum es zum Selbstmord bzw. zum Suizidversuch gekommen ist.




    Bezüglich der Umbettung nach Botn-Rognan kann ich sagen, dass in der Nachkriegszeit vom Volksbund nach und nach die kleinen Sammelfriedhöfe, Lazarettfriedhöfe, etc. in Nordnorwegen aufgelassen wurden und die Toten nach Botn-Rognan umgebettet worden sind.


    Was mich noch interessieren würde, Du hast ja einige Daten, Fakten zu Deinem Großvater. Hast Du noch Dokumente von ihm bzw. hast Du die Informationen von Erzählungen aus der Familie. Ich werde mal bei einem Bekannten nachfragen, der sehr viele Dokumente zum besetzten Norwegen Besitzt, ob er eventuell auch Informationen oder Berichte von jener OT-Bauleitung hat, zu der dein Großvater gehört hat.


    Schöne Grüße aus Tirol


    Samuel

    Ich suche immer Dokumente der 2.GebDiv und deren Teileinheiten dem GJR 136, 137, GAR 111, GebPi.Btl.82 und den Divisionseinheiten 67. Ferner suche ich auch immer Fotos von deutschen Soldatenfriedhof Parkkina-Petsamo. Ich bin Experte für die Geschichte der 2.GebDiv und allgemein zur Eismeerfront. Und ich besitze einiges an Literatur, auch selten Zeitgenössische zu dem Thema. Wenn jemand Hilfe oder Informationen braucht stehe ich gerne zur Verfügung.

  • Hallo Samuel,


    vielen vielen Dank für dein Interesse.

    Leider hat meine Familie, wenn sie denn etwas hatte, die Unterlagen wohl weggeschmissen, was auch immer sie hatte.

    Was mich irritiert, sind folgende Sachen, die ich nur aus Erzählungen weiß.

    Die Eltern meines Großvaters waren angesehene Geschäftsleute in Eckernförde. Sie wurden anscheinend informiert, nicht meine Großmutter.

    Ihr sagte man, er sei gefallen. Weil man sie aber auf einmal ignorierte und hinter ihrem Rücken tuschelte, hat sie dann bei den Schwiegereltern noch einmal nachgefragt und ihr wurde gesagt er habe sich erschossen.

    Einige Zeit später kam ein Kamerad OT, der auch in Schleswig Holstein lebte und brachte meiner Oma in einem großen Klumpen Butter den Ehering und die Uhr meines Großvaters. Er habe gesagt: "Das hätte nicht nötig getan" was auch immer das bedeutet. Ich habe mich an dessen Familie gewandt, aber die konnten mir nicht weiter helfen.


    Zudem kommt die Aussage, dass er am nächsten Tag (leider konnte ich das Datum des "Unfalls" nicht herausfinden, einen Termin für eine Zeugenaussage hatte.


    Das ganze ereignete sich im Juli 1944. Also Sommer, bis dahin noch keine weitere Gefahr, außer, dass man wusste, dass es abzusehen war, dass sich die Finnen auf die Seite Russlands stellen würden. Aber die ganzen Aktionen in diesem Zusammenhang begannen erst, verspätet im September, 1. und 2. Phase.


    Ich habe, soweit noch vorhanden, Krankenakten etc angefordert. Fast sämtliche Akten zu den Arbeiten der OBL und den Feldabteilungen liegen in Oslo im Archiv.


    Im Moment versuche ich gerade mich auf Polizei/Sicherheitsdienst zu konzentrieren. Leider habe ich bei den gefundenen Tagesreporten eine zeitliche Lücke (z.B

    BdSudSD Oslo, Tagesberichte ).


    Was ich herausgefunden habe, ist dass er nach dem Schuss ins Lazarett kam und da an Lungenentzündung gestorben ist. Der Volksbund schreibt Lazarett in Svanvik.

    Nach meinen Recherchen dachte ich zunächst an Feldlazarett 67, bin aber mittlereile der Meinung, dass es das Nr. 680 sein müsste, dass sich ca 10 km von Svanvik entfernt in Salmijärvi befunden hat.

    Nach seinem Tod, so heißt es, sei er mit militärischen Ehren (?) auf einem kleinen Friedhof auf einer Insel bei Kirkenes beigesetzt worden (?).


    Er war zwar Haupttruppführer, aber OT und militärische Ehren?


    Abgesehen von dem Ganzen und dem was ich von dem Charakter meines Großvater weiß, kann ich den versuchten Selbstmord nicht nachvollziehen.

    Er war kein Jungspund (36 Jahre) und er hatte Frau und 3 kleine Kinder, die er alle vier abgöttisch geliebt hat.

    Außerdem hatte er sich freiwillig in die OT gemeldet. Als ältester Sohn eines Bauunternehmers hätte er nicht gehen müssen, aber er hat wohl gesagt, dass es nicht angehen könne, dass seine Poliere dort hoch nach Norwegen müssten und er bliebe einfach zu hause, nur weil er der Sohn des Chefs war.



    Dadurch das die ganze Geschichte für die Familie wohl "peinlich" war, wurden seine ganzen Briefe weggeschmissen. Und es waren wohl sehr viele. Meine Oma hat nicht darüber gesprochen, die Briefe tauchten nach ihrem Tod 2006 auf, und ihre drei Kinder haben beschlossen sie ungelesen zu vernichten, um die nicht Privatsphäre der Eheleute zu stören.


    Liebe Grüße aus dem hohen Norden, Nähe der deutsch-dänischen Grenze,

    Andrea

  • Servus Andrea,


    vielen Dank für Deine Antwort und den zusätzlichen Informationen. Ein sehr interessanter Sachverhalt.


    Ich habe mit meinem Bekannten gesprochen. Er hat leider keine Dokumente/Akten zur OT im Hohen Norden, er gab mir die Auskunft, dass wie du bereits geschrieben hast, diese im norwegischen Staatsarchiv in Oslo liegen. Eventuell ist dort eine Recherche sehr vielversprechend. Zuvor sollte man noch in Erfahrung bringen zu welcher Oberbauleitung er gehörte, bzw. welche Objekte Gebaut wurden.


    Wenn, wie Du schreibst die gesamte Baufirma Deiner Urgroßeltern in die OT übernommen wurde, sollte da sicher auch etwas zu finden sein. Bei anderen Recherchen ist mir schon der öfteren untergekommen, dass oft die ganze Gefolgschaft eines Bauunternehmen in die OT überführt wurde und dann auch geschlossen eingesetzt wurde.


    Zu Deiner Frage zu den Selbstmördern auf dem Friedhof Parkkina-Petschenga. Eventuell meinst Du diese Internetseite, die ich betreue.


    Parkkina-Petsamo


    Hier habe ich auch einen kleinen Bericht zum "Sonderfriedhof Petsamo" verfasst, der auf den Berichten der Kriegspfarrer der 2. und 6.GebDiv, sowie auf die Auskunft des Volksbundes beruht. Was ich in meinen Recherchen festgestellt habe ist, dass Selbstmörder zuerst auf den Zivilfriedhof in Parkkina bestattet wurden, und später wurde ein eigener Sonderfriedhof angelegt, dieser lag am Ostufer des Petsamojokki, hingegen der Heldenfriedhof lag am Westufer. Ein Selbstmörder ist mir bekannt, der trotzdem auf dem Heldenfriedhof Parkkina bestattet wurde, Generalmajor Friedrich Kammel. Hierzu wurde wohl von Seiten des kommandierenden Generals die Erlaubnis gegeben.


    Ich freue mich weiteres von Dir zu hören und wie Deine Recherche vorankommt. Ich selbst werde auch noch schauen, ob ich irgendwo etwas finden kann. Bei Fragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung.


    Schöne Grüße aus Tirol


    Samuel

    Ich suche immer Dokumente der 2.GebDiv und deren Teileinheiten dem GJR 136, 137, GAR 111, GebPi.Btl.82 und den Divisionseinheiten 67. Ferner suche ich auch immer Fotos von deutschen Soldatenfriedhof Parkkina-Petsamo. Ich bin Experte für die Geschichte der 2.GebDiv und allgemein zur Eismeerfront. Und ich besitze einiges an Literatur, auch selten Zeitgenössische zu dem Thema. Wenn jemand Hilfe oder Informationen braucht stehe ich gerne zur Verfügung.

  • Hej Samuel,

    danke dir.

    Genau auf Deiner Internetseite hatte ich es gelesen.

    Mein Großvater gehörte zur OBL Kirkenes, zu einer "Untergruppe". Er war Haupttruppführer und wohl eher am Schreibtisch als auf einer Baustelle, zumindest nicht mit Werkzeug in der Hand. Er musste regelmäßig zu Besprechungen nach Roveniemi.

    Eckernförde ist eine Kleinstadt in Schleswig Holstein. Aus der Firma seines Vaters gingen neun Mitarbeiter und mein Opa. Was einen Riesenwirbel veranstaltete war die Tatsache dass zwei Mercedes PKW aus der Firma mit den Männern verschifft wurden, deren Kühlwasser oder irgendwelche Tanks auf der Fahrt wegen der Kälte geplatzt sind und die Fahrzeuge damit nutzlos waren.


    Meinst du es ist wirklich möglich, dass mein Opa, wie in der Anzeige in den Eckernförder Nachrichten geschrieben, als OT ler mit militärischen Ehren beigesetzt wurde? Oder ist das der Phantasie seiner Eltern entsprungen. Es war natürlich keiner dabei. Und die Kollegen u. deren Familien eher stumm, als wortkark.

    Ok, ich melde mich.

    Dank dir noch einmal.

    Andrea

  • Hallo,


    ich habe noch etwas herausgefunden.

    "Beisetzung" mit militärischen Ehre, wie von den Eltern meines Großvaters in der Todesanzeige angegeben, war eine Beisetzung unter Beteiligung von 2 Kollegen/Kameraden. Also eher unspektakulär.

    Es hat zwei Fotos davon gegeben.

    Möglicherweise existieren sie sogar noch.

    Ich bin auf der Suche.


    Liebe Grüße,


    Andrea

  • Hallo Samuel,


    ich habe noch Hinweise gefunden.

    Vielleicht kannst du sie ergänzen.


    Im Sommer 1944 wurden Trupps der OT zur Front/Grenzsicherung im Bereich Luostari

    (25.05.1944) eingesetzt, unterstellt der 2. Gebirgsdivision.


    Es scheint, mein Opa könnte dabei gewesen sein und in der Nähe auch untergebracht.

    Nach den Schüssen auf sich selbst möglicherweise eine Erstversorgung HVP oder Lazarett und dann Transport nach Svanvik um als Schwerverletzter weiter weg von der Grenze zu sein.


    Er ist tatsächlich in Kirkenes/Peströya mit militärischen Ehren beigesetzt und später nach Botn Rognan überführt worden.


    In dem Brief an meine Oma schreibt der Regierungsbaurat Wendl (FPN 44803/JA) in unteren Abschnitt:

    "Ich will Ihnen nicht verschweigen, dass Ihr Mann in den letzten Wochen schweres durchmachen musste. Nicht wegen seiner Krankheit (wahrscheinlich meint er die Lungenentzündung?) Er hatte keine Schmerzen zu leiden und starb einen leichten Tod. Er war jedoch in eine gerichtliche Untersuchung verwickelt, die sehr eingehend untersucht werden musste, da ein großer Teil von Menschen davon betroffen war. Obwohl schon nach wenigen Tagen feststand, dass Ihr Mann nur am Rande beteiligt war, und seine Freisprechung sicher zu erwarten war, nahm er sich die Sache so zu Herzen, dass er die letzten beiden Wochen nicht mehr im Besitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte stand. Sein Tod war für ihn eine Erlösung. Seine Beisetzung findet unter allen militärischen Ehren am ... in Kirkenes statt."


    Kein Wort von dem versuchten Selbstmord.

    Diese Tatsache ist erst Tage nach seinem Tod irgendwie bei seinen Angehörigen angekommen. Somit stand dann auch in der Todesanzeige:

    "Infolge eines tragischen Geschicks ...)


    In seinen Unterlagen war ein, ziemlich "neu und nicht benutzt" aussehender Wehrpass, aber nicht seine Unterlagen der OT.

    ABer meines Wissens wurden in dieser vorgerückten Zeit alle nicht militärischen Kräfte der Wehrmacht unterstellt.

    Auf seinem Grabkreuz stand

    " Haupttruppführer

    OT Finnland, Einsatz gem. Grenzl.


    Da er bewiesenermaßen sehr glücklich verheiratet war, seinen Kindern oft und regelmäßig genau wie seiner Frau geschrieben hat, ist der Schritt die Waffe auf sich selbst zu richten schon heftig und kaum noch nachzuvollziehen.

    Und er muss sich sicher gewesen sein, schuldig zu sein.

    Vielleicht auch nur moralisch. Umgang mit Zwangarbeitern? Befehle, die er erteilt hat, irgendwas, was er unter seiner Leitung/Verantwortung passiert ist?


    Meines Wissens nach war in erster Linie die Feldgendamerie 67 als erstes zuständig. Bei der möglichen "Schwere" des Falles dann das SS- und Polizeigericht Nord.

    (Die Akten liegen in Norwegen im Reichsarchiv)

    Ein mittlerweile verstorbener Kumpel brachte meiner Oma noch im krieg den Ehering und seine Armbanduhr in einem Großen Klotz Butter.

    Und sagte:

    "Das hätte nicht nötig getan."

    Ich komme nicht weiter, wahrscheinlich müsste ich ins Archiv.


    Liebe Grüße,


    Andrea

  • Servus Andrea,


    vielen Dank für Deine weiteren Ausführungen und auch die Dokumente und Fotos von Deinem Großvater, die Du mit uns teilst.


    Ich werde in den nächsten Tagen mal im Kriegstagebuch der 2.GebDiv schauen, ob ich dazu etwas finden kann. Mir stellt sich nur die Frage, ob die OT-Arbeiter auch disziplinarisch der 2.GebDiv unterstellt waren. Ansonsten würde hier nicht die Division ermitteln.


    Was ich mir gerade denke, glaubst Du es währe möglich, dass Dein Großvater in den Selbstmord genötigt wurde? Eventuell war er unbequemer Mitwisser von etwas das er nicht wissen sollte, das höhere Dienststellen oder ein Vorgesetzter angestellt hatten. So bekam er vielleicht die Wahl selbst aus dem Leben zu scheiden, und dafür wird seine Familie und das Bauunternhemen in Ruhe gelassen und er bekommt die Behandlung eines Gefallenen. Oder eben eine gerichtliche Verhandlung und die eventuell damit verbundenen Erschwernisse für sich selbst und der Familie.


    Vielleicht könntest Du uns den ganzen Brief, des Regierungsbaurat Wendl, den Du oben zitiert hast, vorstellen?


    Schöne Grüße aus Tirol


    Samuel

    Ich suche immer Dokumente der 2.GebDiv und deren Teileinheiten dem GJR 136, 137, GAR 111, GebPi.Btl.82 und den Divisionseinheiten 67. Ferner suche ich auch immer Fotos von deutschen Soldatenfriedhof Parkkina-Petsamo. Ich bin Experte für die Geschichte der 2.GebDiv und allgemein zur Eismeerfront. Und ich besitze einiges an Literatur, auch selten Zeitgenössische zu dem Thema. Wenn jemand Hilfe oder Informationen braucht stehe ich gerne zur Verfügung.

  • Hallo Samuel, ich lade hier den Brief noch mal hoch. Er ist leider sehr verblichen.


    Außerdem ist mir etwas aufgefallen.

    Auf den wenigen Karten u. Briefen wurde immer FPN 47457 benutzt.

    47457

    (1.3.1942-7.9.1942) Organisation Todt Einsatz Wiking

    Oberbauleitung Kirkenes,

    dann OT-Einsatzgruppe Wiking Oberbauleitung Kirkenes, dann

    OT-Oberbauleitung Kirkenes

    (23.4.1944-24.11.1944) 12.5.1944 OT-Oberbauleitung Kirkenes

    und Schiffahrtsleitstelle der Transport-Flotte Speer Kirkenes,

    (25.11.1944-8.5.1945) 22.4.1945 Schiffahrtsleitstelle der

    Transport-Flotte Speer Kirkenes.



    Auf dem letzten Brief Stempel 10474. 6/44

    10474 4. (Park) Kompanie und Transportstaffel Festungs-Pionier-Bataillon 10


    Feldpostnummern ab 1942/43: Alle Einheiten vom Bataillon wurden mit der Bezeichnung Festungs-Bau-Bataillon 10 in der Feldpostübersicht eingetragen. Am 23. September 1943 wurde das Bataillon zum Festungs-Pionier-Bataillon 10 umbenannt. Am 4. Oktober 1943 wurde die 1. Kompanie zur 1. Kompanie vom Festungs-Pionier-Bataillon 22 umbenannt. Am 22. Dezember 1943 wurden auch der Stab mit Transport-Staffel und die 2. Kompanie zum Stab und 2. Kompanie vom Festungs-Pionier-Bataillon 22 umbenannt. Am gleichen Tag wurden die 1. und 2. Kompanie vom Festungs-Pionier-Bataillon 22 zur 1. und 2. Kompanie vom Festungs-Pionier-Bataillon 10 umbenannt. Am 4. Juli 1944 wurde der Eintrag der 4. Kompanie in Stabskompanie Festungs-Pionier-Stab 10 geändert. Am gleichen Tag wurde der Eintrag des Stabes in Abschnittsgruppe III vom Festungs-Pionierstab 10 geändert und die 1. und 2. Kompanie zur 1. und 2. Kompanie vom Festungs-Pionier-Stab 10 umbenannt.


    Er hat wohl im letzten Urlaub erzählt, dass er mit Gewehr am Bett schläft, weil die Partisanen so gefährlich seien. Er hatte eine Einzelunterkunft. Außerdem hatte er noch seine Pistole.

    In Norwegen müsste im Archiv was zu finden sein. Es sei denn es ist alles vernichtet worden.


    Liebe Grüße,

    Andrea

  • Was steht denn da vor dem P. Nicolai.

    Kann das jemand entziffern?

    Ich dachte erst was mit "Grenz", aber da kann nicht sein, da ist doch noch ein "u"? Oder nicht?

    Hallo Andrea,


    da steht „Haupttrf.“ für Haupttruppführer.


    Gruss, anhaltiner.

    Suche:
    Urkunden/Besitzzeugnisse/Dokumente/Fotos: - zur rumänischen Erinnerungsmedaille "Kreuzzug gegen den Kommunismus" - zum Transportgeschwader 5 (vormals KG zbV 323 bzw. N) - zur Messerschmitt Me 321/323 „Gigant“ - zu den Messerschmittwerken Regensburg-Obertraubling u. Leipheim - zum Artillerieregiment 155 - zur schweren Panzerjägerabteilung 560 Nashorn(Hornisse)/Jagdpanther

  • Hallo an die Wissenden,


    war es eigentlich möglich, neben dem Dienstbuch der OT einen Wehrpass zu haben?

    Oder könnte es bedeuten, dass mein Opa von der OT ausgemustert und einberufen wurde?

    Hm, Fragen über Fragen.


    Liebe Grüße,

    Andrea

  • Ja, war natürlich möglich - Jeder der gemustert wurde hatte einen Wehrpass. Das Dienstbuch der OT war dann sozusagen das, was beim Soldaten das Soldbuch war.

    Während das Soldbuch/OT Dienstbuch beim Kriegseinsatz von der jeweiligen Person

    mitgetragen wurde, lag der Wehrpass im Gefechtsstand der Kompanie/Trupp.


    Gruß

    Suche: Urkunden und Besitzzeugnisse von Infanterie/Grenadier-Regiment 388 - Grenadier-Brigade 388, weiter Infanterie/Grenadier-Regiment 106, sowie 214. Infanteriedivision.

  • Hallo Ihr Lieben,


    jetzt habe ich mich einige Zeit nicht gemeldet, weil ich sehr fleißig war. Dafür habe ich Ergebnisse vorzuweisen.

    Zunächst einmal bin ich jetzt in der Lage Sütterlin zu lesen. Das hat auch etwas Zeit gefordert. Zudem habe ich Briefe eines Kollegen meines Großvaters, die dieser seinen Eltern geschrieben hat in die Hand bekommen.

    Ich zähle zunächst die Fakten auf:

    Mein Großvater war im Sommer 1944 allein/selbst. im Hafen in Kirkenes für den Umschlag (OT) zuständig.

    Viele Kollegen und auch Dienstherren verschiedenster Abteilungen traten gern mit Sonderwünschen an ihn heran. z.B. sehr oft, frischer Fisch.

    Den sie nicht von den norwegischen Fischern kaufen durften. Und den die Fischer nach festgelegten "Quoten" abzugeben hatten.

    Im Hafen von Kirkenes standen auch sehr viele Lagerhäuser von Wehrmacht und OT.

    Mein Großvater handelte hin und wieder mit seinem Lieblingsfischer und bezahlte mit Pferdefutter. Das natürlich nicht ihm persönlich gehörte.

    Gleichzeitig fanden im Juli 44 die schlimmsten Luftangriffe auf Kirkenes statt. Ständig war Alarm, Schiffe im Hafen wurden bombardiert und die Innenstandt incl. Infrastruktur zerstört. Obwohl nicht an der Front, in dem Sinne, war man in Kirkenes dem Horror direkt ausgeliefert. Das Beladen und Entladen verschob sich, Kaianlagen mussten repariert werden und alles musste schnell gehen, damit das Be- und Entladen weiter ging. Das waren die Vorboten für den Rückzug.

    Mein Großvater war sehr überarbeitet.

    Neben seinem kleinen Handel im Hafen fand um ihn herum eine größere Geschichte mit dem Handel von Radios und einem heimlichen Radiosender statt. Die Geheime Feldpolizei, die dazu ermittelte, stolperte aus irgendeinem Grund über ihn (dazu später) und er wurde mehrfach "extremst" verhört.

    Am 09.07.1944 begannen die Verhöre, am 12.07.44 ging er abends aus seiner Baracke und schoss sich in/an den Kopf.

    Im letzten Moment muss ihm klar geworden sein, dass er hier Blödsinn machte und die Pistole wie auch immer verrissen haben, auf jeden Fall war es nur ein Streifschuss.

    Doch damit hatte er quasi sein Todesurteil geschrieben.


    Er wurde verbunden und in Haft genommen. 3 Ärzte attestierten ihm eine leichte Verletzung am Ohr und Haftfähigkeit.

    Zwei Tage später durfte er noch einmal für ein paar Stunden in seine Dienststelle um seinen Job an seinen Nachfolger (der Name dieses Mannes war in dem Brief 3 x unterstrichen) zu übergeben.

    Er durfte keinen Besuch haben.

    Sein Chef, der Baurat der OBL , hatte zu seinen Gunsten ausgesagt und dass er der Empfänger des Fisches gewesen sei und alles versucht, diesen Fall aus der Kriegsgerichtsbarkeit heraus zu ziehen.

    Was ihm nicht gelang.

    Am 29.7.44 wurde mein Großvater in ein Lazarett gebracht. Nach 17 Tagen Haft. Abgemagert, in sehr schlechter Verfassung, vereiterte Wunde, Mittelohrentzündung, Hirn (haut) entzündung, Lungenentzündung, nicht ansprechbar.

    30 Stunden später ist er gestorben.


    Ich brauche noch einmal eure Unterstützung.

    In den verfügbaren Unterlagen des 20. Geb.Armee habe ich nichts gefunden.

    Wo kann ich Gefangenenbücher finden? Wo etwas darüber, wo, in der Nähe von Kirkenes er in Haft war. Wo etwas über die Geheime Feldpolizei 735?.


    Vielen Dank für eure Tipps,

    Andrea


    PS: Es hat mich sehr berührt, die Briefe zu lesen, in denen es um meinen Großvater ging. Aber tatsächlich fast unheimlich, war es zu lesen, dass Datum und Uhrzeit seines Schusses 17 Jahre später meine Geburt war. Da lief es mir dann doch den Rücken runter.

  • Danke, Korrianke

    gerade passiert etwas seltsames. Ich habe durch Zufall die Briefe des engsten Freundes meines Großvaters in der Kriegszeit in Norwegen/Finnland in die Hände bekommen.

    Es hat mich nicht sehr viel weiter gebracht, was die Umstände des Todes meines Großvaters angehen.

    Jetzt lerne ich meinen Großvater kennen durch die Briefe, die dieser Kollege nach Hause geschickt hat, in denen immer auch die Rede von ihm ist. Ich erfahre viel über deren Arbeit, aber auch viel über die Freizeit, die sie meistens gemeinsam verbracht haben.

    Die beiden sind durch 4 Jahre gemeinsam gegangen, von der Aufstellung der Bautrupps in einer Kaserne in Brieg 1941 in der Nähe von Breslau bis zu dem verhängnisvollen Sommer 1944. Der Freund schreibt, die Freude über die Rückkehr nach Hause 1945 war überdeckt durch die Trauer, den Freund in mittlerweile russischer Erde zurücklassen zu müssen.


    Andrea

  • Hallo Korrianke,

    nein bei den Briefen nicht, aber es gibt eine Kiste mit Fotos, die ich aber Anfangs nicht zuordnen konnte. Ich denke, nach Abschluss der Sichtung der Briefe und der sich aufzeigenden zeitlichen und geografischen Route, werde ich mit den Fotos etwas anfangen können, und das wird dann auch noch einmal spannend.


    Liebe Grüße,

    Andrea

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