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San-Unteroffizier Edgar Heise, Stabsschwadron/Aufkl.Abt. 67, "Von der italienischen Riviera an die Eismeerfront"

  • Servus,


    heute darf ich Euch ein interessantes aber auch zugleich trauriges Soldatenschicksal eines Mannes der 2.GebDiv vorstellen.


    Edgar Heise wurde am 04.02.1921 in Kleingrabe, Kreis Mühlhausen in Thüringen geboren, er erlernte den Beruf des Friseurs. Am 07.06.1940 wurde Edgar im WBK Mühlhausen/Thüringen als kv gemustert. Am 06.09.1940 wurde er als Kriegsfreiwilliger für das Schützen-Ersatz-Bataillon 1 in Weimar angenommen. Doch am 03.10.1940 wurde er zur 1./Inf.Ers.Btl. 88 in Fulda einberufen, hier erhielt er seine infanteristische Grundausbildung am Gewehr 98 und am MG34.

    Mit 10.11.1940 wird er zur 4.(MG)/Inf.Rgt. 528 versetzt mit der er in Oberschlesien bis zum 22.04.1941 eingesetzt war. Im Anschluss geht es wieder zum Ersatztruppenteil, der 1./Inf.Ers.Btl. 181 in Siegen. Am 26.06.1941 kommt Edgar Heise nun zur 1./Landesschützen-Bataillon 642, mit diesem wurde er zuerst im Heimatkriegsgebiet und später im Generalgouvernement eingesetzt, hier wurde er auch am 01.10.1941 zum Oberschützen und am 01.01.1942 zum Gefreiten befördert.

    Mit 24.02.1942 wird er zurück in die Heimat, zum Landesschützen-Ersatz-Bataillon 9, versetzt. Hier diente er in der Genesenden-Einheit und bei der Verfügungs-Kompanie. Mit 02.07.1942 wir er zur Heeres-Sanitäts-Staffel Mühlhausen/Thüringen versetzt, denn er soll zum Sanitäter ausgebildet werden. Vom 15.07. bis zum 14.08.1942 besuchte der Gefreite Heise die Sanitäter-Schule in Eisenach, nach bestandener Prüfung wird er mit 14.08.1942 zum San-Gefreiten ernannt.

    Nach kurzer Dienstzeit bei der 5./San.Ers.Abt. 9 wird er mit 03.11.1942 zum Armee-Feldlazarett (mot) 6/592 versetzt, hier wirkte er bis zum 27.05.1943 bei der Pflege von Verwundeten. Während seiner Dienstzeit im Feldlazarett verpflichtete Edgar Heise sich für eine 12-jährige Dienstzeit in der Wehrmacht und mit 01.03.1943 wird er zum San-Unteroffizier befördert. Der San-Uffz. Heise wurde nun Mitte 1943 ausgesucht um als Stammpersonal bei der Neuaufstellung der 356. Infanterie-Division teilzunehmen. Am 03.06.1943 kommt er zur neuen Stabsbatterie III. (s)/Art.Rgt. 356. Nach der Aufstellung im Heimatkriegsgebiet wurde San-Uffz. Heise mit seiner Division zum Küstenschutz an der ligurischen Küste, zwischen Ventimiglia und Genua eingesetzt. Hie wechselte innerhalb der Division mehrmals die Einheit, er diente als San-Uffz. in der 7./Art.Rgt. 356, 10./Art.Rgt.356 und der 1./Gren.Rgt. 869.

    Doch am 16.02.1944 erfolgte wohl seine schicksalhafteste Versetzung, nämlich zur Stabsschwadron der Aufklärungs-Abteilung 67 der 2.GebDiv. Damit kam er von der milden italienischen Mittelmeerküste in den äußersten Norden Europas an die Eismeerfront. Die Aufkl.Abt.67 liegt seit 1941 in den Stellungen der Eismeerfront und hält mit Stützpunkten die Front westlich von Murmansk. Während des kurzen Polarsommers besucht San-Uffz. Heise vom 04.08.bis 06.08.1944 einen Lehrgang für Truppenentgiftung im Hohen Norden.

    Nachdem, im Herbst 1944, an der gesamten Ostfront die Rote Armee auf dem Vormarsch war, erwartete man auch an der Eismeerfront einen sowjetischen Angriff, es wurden einige Vorbereitungen getroffen, wie z.B. die Aufkl.Abt. 67, welche zuerst das Nikelwerk samt dazugehöriges Kraftwerk in Kolosjoki sicherte in den Raum der Sicherungsfront zwischen Titowka und Petsamojoki zu verlegen. In der Planung der Abwehr des erwarteten Angriffs kam es aber zu einen fatalen Falscheinschätzung, nämlich dass der Russe in der Tundra unmöglich mit Panzer angreifen wird.

    Am 07.10.1944 beginnt nach heftigstem Vernichtungsfeuer der Artillerie der erwartetet Großangriff, bereits am ersten Tag werden von den Sowjets fast alle Stützpunkte der deutschen Stützpunktfront überrannt oder eingeschlossen. Das Ziel der Russen ist klar, die kleine Siedlung Luostari, ein Knotenpunkt des deutschen Straßennetz in der Arktis. Nun gilt es den sowjetischen Vormarsch so lange zu verzögern, damit ein geordneter Rückzug aller Verbände nach Westen möglich ist. Im Kampfraum "Isar" wird versucht den hier anrennenden Feind so lange aufzuhalten bis einen neue Wiederstandslinie auf der Lanhöhe errichtet wurde, obwohl bereits nördlich davon es dem Russen gelungen ist an der Trennungslinie zwischen 6. und 2.GebDiv die Titowka zu überschreiten und weit südlich die Russen die Sicherungsfront umgangen haben und direkt auf die Eismeerstraße und von Süden her aus Luostari zumarschieren. Am 09.10.1944 liegt San-Uffz. Heise mit der Aufkl.Abt. 67 auf der Wiederstandslinie an der äußerst linken Flanke der Lanhöhe, genauer auf dem "Suaionaivi", eine weiter nördlich aufragenden Höhe über dem Sumpfland. Von ihren Stellungen aus, sehen die Radlfahrer wie den ganzen Tag über russische Kolonnen nach Westen und Nordwesten marschieren. An diesen Tag greifen die Russen die Lanhöhe mehrmals an, der Aufkl.Abt. 67 gelingt es die Angriffe zurückzuschlagen, doch bei der Radfahr-Brigade Norwegen, die ebenfalls einen Teil der Lanhöhe hält gelingt den Russen der Einbruch. Woraufhin die Lanhöhe aufgeben werden musste, am Morgen des 10.10.1944 ist die Lanhöhe in russischer Hand. Am 10.10.1944 wird nochmal versucht mit einem Gegenangriff die Lanhöhe wieder in Besitz zu nehmen, was auch unter schweren Verlusten gelingt, nun gilt es bis mindestens 11.10.1944 die Höhe zu halten um einen geordneten Rückzug über den Petsamojoki zu ermöglichen. In der Nacht vom 10. auf den 11.10.1944 greifen die Russen von Norden her mit starken kräften an, auf dem Lanweg erscheinen sowjetische Panzer, etwas was man für nicht möglich hielt. Durch den enormen Feinddruck mussten am 11.10.1944 zwei weitere Wiederstandslinien aufgegeben werden, eiligst wird bei Luostari am Ostufer des Petsamojoki einen Brückenkopfstellung aufgebaut, ehe diese bezogen werden kann muss die Aufkl.Abt. 67 seine Stellung auf dem "Suaionaivi" und das I./GJR 137 auf dem "Njalloaivi" halten. Nun läuft die Aufkl.Abt.67 Gefahr eingeschlossen zu werden, das die Sowjets immer mehr Truppen und Panzer über den Lanweg nach vorne bringen. Per Funk erhält die Abteilung den Befehl die Stellungen aufzugeben und sich nach Luostari durchzuschlagen. Bei dieser Absetzbewegung fällt der San-Unteroffizier Edgar Heise, 1 1/2 km südwestlich des Rodigberg durch Halsschuss. Es ist zu vermuten, dass Edgar Heise noch heute am Ort seines Todes liegt.


    Der Aufkl.Abt. 67 gelang, trotz kurzzeitiger Einschließung, das Umgehen des sowjetischen Kessels und konnte den Petsamojoki bei Luostari noch trockenen Fußes über die Luostaribrücke überqueren, die Brücke war bereits zur Sprengung vorbereitet und wurde am 12.10.1944 gesprengt.


    Ich hoffe ich konnte Euch anhand des tragischen Schicksal des San-Unteroffiziers Edgar Heise einen kleinen Einblick in die schweren Abwehrkämpfe an der Eismeerfront im Oktober 1944 geben. Die 2.GebDiv verlor während dieser Kämpfe 2954 Mann an Gefallene, Vermisste und Verwundeten. Dadurch ist es doch verwunderlich, dass so gut wie nie Dokumente von solchen Soldaten auftauchen. Dies ist nun der erste Wehrpass eines Gefallenen der 2.GebDiv im Oktober 1944 den ich je gesehen habe.


    Mich würde interessieren, wie Euch der Wehrpass gefällt.


    Schöne Grüße aus Tirol


    Austria12

  • Hier noch die restlichen Seiten des Wehrpasses und das Übersendungsschreiben des Wehrpasses an die Witwe von Edgar Heise.

  • Ich hoffe ich konnte Euch anhand des tragischen Schicksal des San-Unteroffiziers Edgar Heise einen kleinen Einblick in die schweren Abwehrkämpfe an der Eismeerfront im Oktober 1944 geben. Die 2.GebDiv verlor während dieser Kämpfe 2954 Mann an Gefallene, Vermisste und Verwundeten. Dadurch ist es doch verwunderlich, dass so gut wie nie Dokumente von solchen Soldaten auftauchen. Dies ist nun der erste Wehrpass eines Gefallenen der 2.GebDiv im Oktober 1944 den ich je gesehen habe.

    Lieber Austria12,


    wie immer eine hervorragende historische Aufarbeitung der Geschehnisse und sehr interessant. Dank dafür.


    Beste Grüße


    Gustav

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  • Tragisches Schicksal eine Sanitäters.

    Schon interessant, wie Soldaten teils von Einheit zu Einheit "weitergereicht" wurden, in diesem Fall sicher seiner Eigenschaft als Sanitäter geschuldet.


    Danke für die ausführliche Vorstellung.


    Gruss, anhaltiner.

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