Servus,
heute darf ich Euch einen Neuerwerbung vorstellen. Das Soldbuch des Stabsgefreiten Ferdinand Stocker, welcher mit der 14.(MG)/GJR 137 bei der 2.GebDiv diente.
Ferdinand Stocker wurde am 23.02.1910 im Dorf Tirol in Südtirol geboren. Nach der Annektion Südtirols durch das Königreich Italien, erlernte Ferdinand in der Zwischenkriegszeit den Beruf des Maurers. Mit dem Stahlpakt zwischen Italien und dem Deutschen Reich, wurden die Südtiroler vor die Wahl gestellt in ihrer Heimat zu bleiben, und damit italienisiert zur werden, oder dem Deutschtum zugehören und in das Deutsche Reich auszuwandern. Ferdinand Stocker Optierte für die Auswanderung ins Deutsche Reich. Mit seiner Ehefrau Rosa wurde er in Salzburg-Itzling angesiedelt. Mit dem Erhalt der Deutschen Staatsbürgerschaft musste auch Ferdinand Stocker seinen Wehrdienst in der Wehrmacht ableisten.
Sein Soldbuch wurde am 04.08.1941 bei der 2./Geb.Jäg.Ers.Rgt. 137 in Salzburg-Glasenbach ausgestellt. Hier hatte er bereits den Rang eines Gefreiten, damit ist anzunehmen, dass er bereits im italienischen Heer gedient hat, und als Gefreiter des Beurlaubtenstandes in das deutsche Wehrverhältniss übernommen wurde. In Salzburg wird der Gefreite Stocker zum Gebirgsjäger ausgebildet. Im Herbst 1941 wird der Gefreite Stocker mit der 2./Feld.Ers.Btl. XVIII/3 zur Fronttruppe in marsch gesetzt. Ferdinand Stocker kommt als Nachersatz in den hohen Norden der Ostfront, an die Eismeerfront. Hier wird er der 14.(MG)/GJR 137 zugeteilt, das Gebirgsjäger-Regiment 137 hat in den vorausgegangen Kämpfen im Sommer 194, an den Flüssen Titowka und Liza, schwere Verluste hinnehmen müssen. Der frische Nachersatz aus der Heimat füllt langsam wieder die Reihen der Gebirgsjäger. Als Ferdinand Stocker zu seiner Kompanie kommt liegt diese in Nordnorwegen als Küstenschutz, das III./GJR 137 war im Raum Elvenes (ca.10km südlich Kirkenes) einquartiert. Im Winter 1941/42 wurden aber auch immer wieder Teile der 2.GebDiv an der Eismeerfront eingesetzt. In unzähligen Skipatrouillen, Späh-und Stoßtrupps. Während seines ersten Polarwinters wird er am 01.11.1941 zum Obergefreiten befördert.
Während des Blutmai 1942 wird auch die 14./137 alarmiert und in den Raum Seeenge, zwischen Titowak und Liza verlegt, um die dort gelandete sowjetische 12. Marinebrigade wieder zu vertreiben. Bis Mitte Mai 1942 konnte unter schwersten Umständen und schweren Verlusten die sowjetischen Truppen geworfen werden und die Ausgangslage wieder hergestellt werden.
In den folgenden Jahren bleibt die Kriegsführung am Eismeer statisch. Die Gebirgsjäger halten eine Stützpunk- und Sicherungsfront, und werden im hinteren Frontgebiet auch zur Sicherung eingesetzt. Dazu kommen noch Spähtrupp- und Stoßtruppunternehmen. Am 14.12.1942 wird Ferdinand Stocker die Ostmedaille, für seine Teilnahme an den Winterkämpfen 1941/42 an der Eismeerfront, verliehen. Am 17.03.1943 erhält er für seine Teilnahme an mehreren Stoßtrupps das ISA verliehen. 1943 und 1944 wird er mehrmals in der Zahnstation des Feldlazarett (mot) 67, behandelt.Im Sommer 1944 wird Ferdiannd Stocker am 01.06.1944 zum Stabsgefreiten befördert. Am 01.09.1944 wird dem Obergefreiten Stocker das KVK 2. Klasse mit Schwerter verliehen.
Da im Spätherbst 1944 ein sowjetischer Angriff an der Eismeerfront erwartet wurde, wurden sMG-Gruppen der 14.(MG)/GJR 137 auf die Stützpunkte und Wiederstandsnester an der Stützpunktfront im Südraum aufgeteilt. Am 07.10.1944 begann die erwartete Großoffensive, bereits am ersten Tag brachen die Sowjets durch die Stützpunktfront, und überrannten oder schlossen alle Stützpunkte ein. In weiterer Folge sah Ferdinand Stocker die schweren Rückzugskämpfe auf der Lanhöhe und dem Lanweg, sowie um Kolosjokki. Kämpfend zog sich die 2.GebDiv nach Nordnorwegen zurück.
Zum Jahreswechsel 1944/45 wird die 2.GebDiv nach Dänemark verlegt, hier wird sie neu ausgerüstet und per Bahn nach Süd-Westen verlegt, um im Elsass gegen die vorrückenden amerikanischen und französischen Verbände zu kämpfen. Ende Jänner 1945 treffen die ersten Marschkolonnen der Division im Elsass ein und werden sofort ins Feld geworfen, dadurch häufen sich sofort die Verluste. Ist es doch für die Männer der 2.GebDiv ein völlig neuer Gegner und eine andere Kampfesweise, welche sie in den letzten 4 Jahren an der Eismeerfront nicht kannten.
Hier gerät Ferdinand Stocker auch in Kriegsgefangenschaft, er erhält die Gefangenennummer 563354
Nach der Kriegsgefangenschaft kann Ferdinand Stocker wieder, zu seiner Frau, nach Salzburg zurückkehren. Ferdinand Stocker optiert nicht wieder zurück und er bleibt in Salzburg Wohnhaft.
Für mich ist das Soldbuch wieder eine schöne Ergänzung in der Sammlung, da ich durch meine Gespräche mit einem Veteranen der 14./136, einen Einblick in das Leben der Soldaten einer MG-Kompanie eines Gebirgsjäger-Regiments habe. Und mir so seinen Einsatz gut vorstellen kann.
Schöne Grüße
Eismeer


