Servus,
heute darf ich Euch das Schicksal des jungen Gebirgsartillerie-Leutnants Norbert Richter vorstellen, der wie so viele Männer der 2.GebDiv, bereits im Sommer 1941 an der Eismeerfront gefallen ist.
Norbert Richter wurde am 26.06.1918 in Lublin, welches zu dieser Zeit von der österreich-ungarischen Armee besetzt und zum Generalgouvernement Lublin gehörte, als Sohn eines k.u.k. Offiziers geboren. Nach dem verlorenen 1.Weltkrieg siedelte sich die Familie Richter in Salzburg an, wo auch Norbert das Gymnasium besuchte. Vom 09.09.1935 bis zum 07.09.1936 leistete Norbert Richter seine Bundesdienstpflicht, wohl als Einjährig Freiwilliger beim Tiroler und Vorarlberger Leichtes Artillerieregiment Nr. 6, hier wurde er auch am 07.09.1936 zum Kadett ernannt. Vom 21.08. bis zum 18.09.1937 machte er als Kadett und titular Korporal eine Waffenübung beim Salzburger Leichtes Artillerieregiment Nr. 8 in Salzburg. In den kommenden Jahren widmete er sich dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck. Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, wird auch Norbert Richter in die Wehrmacht übernommen. Auch hier soll er zum Offizier der Artillerie ausgebildet werden. So besucht er als Unteroffizier und Offiziersanwärter vom 18.08. bis 13.09.1938 einen Offizierslehrgang bei der Lehrgruppe VI, Lehrstab A der Artillerieschule Jüteborg. Direkt im Anschluss kommt er am 16.09. zur 2./GAR 113, nach Spittal an der Drau, mit dieser Batterie nimmt er wahrscheinlich an der Besetzung des Sudetenlandes teil, ehe er am 25.10.1938 wieder entlassen wurde. Bereits am 01.10.1938 wurde Norbert Richter zum Wachtmeister befördert. In den folgenden Jahren schloss Norbert Richter sein Studium ab und promovierte zum Dr. jur..
Am 02.11.1939 wird Dr. jur. Richter zum aktiven Wehrdienst bei der 2./Geb.Art.Ers.Rgt. 111 einberufen. Beim Ersatztruppenteil wird seine Ausbildung weiter verongetrieben, ab dem 29.02.1940 kommt er zur 5./schw. Ers. Battiere 111 (mot) und am dem 21.06.1940 bei der 1./Geb.Art.Ers.Rgt. 111. Von dort aus erfolgt auch seine Abstellung zur Fronttruppe, mit dem 05.07.1940 wird Wachtmeister Richter zur 6./Gebirgsartillerie-Regiment 111, der 2.Gebirgs-Division, versetzt. Das GAR 111 liegt zu diesem Zeitpunkt als Küstenschutz und Besatzungstruppe in Nordnorwegen. Zu Beginn seines einzigen Polarwinters im Hohen Norden, wird Norbert Richter am 15.10.1940 zum Offiziersanwärter ernannt. Mit 01.01.1941 wird Dr. Richter zum Leutnant d.R. befördert. Am 20.03.1941 wird Leutnant Richter zur 4./GAR 111 versetzt.
Am 29.06.1941 begann auch an der Eismeerfront der Überfall auf die Sowjetunion. Das GAR 111 (ohne 5. Batterie) ist der Gruppe v. Hengl zugeteilt, dieses durchbricht noch am selben Tag die Bunkerstellung ostwärts Petsamo, und dringt bis in das Tal der Titowka vor. Die 4./111 unterstützt das Vorgehen de GJR 137, und wird mit zunehmenden dem Angriffserfolg der Gebirgsjäger nachgezogen. Am 13.07.1941 wird gemeldet, dass die 4./111 im Raum nördlich und südlich von Höhe 68,1 in Stellung gegangen ist. Hier unterstützen die Gebirgsartilleristen die Angriffe der Gebirgsjäger am Ostufer der Liza. Kurz darauf wird die 4./111 in den Liza-Brückenkopf nachgezogen, dort geht sie am nord-östlichen Ende des "Langen See" in Feuerstellung, die Russen beginnen nun mit vermehrten Gegenangriffen auf die Brückenkopfstellungen. In diesem Raum wird Leutnant Richter am 19.07.1941 durch Granatsplitter am Oberschenkel verwundet. Doch die Verwundung ist wohl nicht allzu schwer, da er bei seiner Batterie verbleibt. Bereits am 10.07.1941 wurde ihm für Tapferkeit vor dem Feind, durch den Divisionskommandeur Generalmajor Schlemmer, das EK2 verliehen. Ende Juli 1941 wird die 4./111 aus dem Lizabrückenkopf herausgelöst und wird am Westufer eingesetzt, ehe sie der Gruppe Hofmeister zugeführt wird, die das Gebiet zwischen Titowka- und Lizafjord von Feindresten säubern sollen. Nachdem das Gelände der Lizabucht gesäubert wurde verbleibt Leutnant Richter im Nordraum zur Abwehr feindlicher Landungsversuche und zum Artillerieeinsatz auf die vor der Brückenkopfstellung liegenden Russen. Am 20.08.1941 wird Leutnant Richter das VWA in schwarz verliehen. Für Anfang September 1941 wird ein weiterer Angriff über die Liza befohlen, die 4./111 wird 4 Tage vor Angriffsbeginn nach vorne verlegt in den Raum Stoßlinie 14,1 links 6,2 und unterstützt mit ihrem Feuer den Angriff am linken Flügel der Brückenkopfstellung, welcher von der Angriffsgruppe Hofmeister (GJR 136, SS-Inf.Rgt. 9), gefochten wird.
Der Angriffsbeginn wird mit 03:10 Uhr am 08.09.1941 angesetzt. Die Gebirgsjäger liegen in ihren Bereitstellungsräumen im Brückenkopf, unter ihnen befindet sich auch Leutnant Richter, der als vorgeschobener Beobachter die Angriffspitze begleiten wird, und das Artilleriefeuer leiten wird. Wie befohlen blitzt um 03:10 Uhr das Mündungsfeuer der Artilleriebatterien auf, und eine Feuerwalze entlädt sich auf die sowjetischen Stellungen auf den Fjordberg. Nach 5 minütigen Beschuss schweigt die Artillerie für 5 Minuten, um dann abermals für 5 Minuten die sowjetischen Stellungen mit Granaten zu belegen. Um 03:25 Uhr beginnt nun der Angriff der Gebirgsjäger und SS-Männer auf den Fjordberg, welcher um 04:25 Uhr genommen wurde. Die Höhe 173,3 wird im laufe des Vormittages von der Gruppe Deutsch (SS-Inf.Rgt. 9) genommen, und tritt weiter zum Angriff Richtung Osten an. Auf Höhe 173,3 richtet Leutnant Richten seinen B-Posten ein. Der von den SS-Männern weit nach Osten vorgetragen Angriff, hat aber die Front überdehnt und die Gruppe Deutsch wird durch einen russischen Gegenangriff geworfen und muss sich westlich Höhe 173,3 zurückziehen. Bei der sowjetischen Rückeroberung von Höhe 173,3 fällt Leutnant Richter durch Granatsplitter in Kopf und Bauch. Das I./GJR 137 tritt noch am Abend des 08.09.1941 zum Gegenstoß an und kann Höhe 173,3 wieder in deutsche Hand bringen.
Der Leichnam von Norbert Richter konnte geborgen werden und er wurde am Heldenfriedhof in Parkkina-Petsamo bestattet.
Dies war nun die Vorstellung des Schicksals von Dr. jur. Norbert Richter, der wie so viele junge Leutnants an der Eismeerfront recht schnell den "Heldentod" gestorben ist. Es ist auch mein erster Nachlass eines Gefallenen des Septemberangriffs an der Liza.
Ich freue mich von Euch zu hören, was ihr von seinem Nachlass haltet.
Schöne Grüße
Eismeerfront


