Liebe Sammlerkollegen,
vielen Dank für die Aufnahme in das Forum! Mein Sammelgebiet ist hauptsächlich das EK2 von 1939, aber grundsätzlich liegt mir alles rund um das Eiserne Kreuz am Herzen. Als ersten Thread möchte ich daher diese interessanten Listen und hoffentlich spannende Recherchen mit euch teilen.![]()
Einleitung
Die zweite Schlacht an der Aisne an der Westfront des Ersten Weltkrieges begann am 16. April 1917. Frankreichs Armee startete nach den vergeblichen Durchbruchsversuchen des Jahres 1916 erneut eine, diesmal minutiös vorbereitete Großoffensive gegen den als uneinnehmbar geltenden Höhenzug des Chemin des Dames. Man nannte dies die Nivelle-Offensive.
Quelle: Die militärischen Ereignisse im Völkerkrieg 1914-18, 6ter Teil - Kriegskarte 143.
,,Wir waren sehr stolz auf unseren Bau gewesen. Er stand hinter der Mauer des großen Parkes von Bove-Chateau. Pioniermaterial war ein rarer Artikel, Minenhölzer nicht zu bekommen; so hatten wir uns wie zu Kriegsbeginn von oben in die Erde eingebaut. Die prächtigen Buchenstämme des alten Parkes lieferten das Material. Mit Pickel und Schaufel waren die Kreideschichten bald ausgehoben, starke Stempel an den Ecken, ein Unterzug (er machte sich später bezahlt) und dann als Deckung, auf allen Seiten weit über die Erdgrube stehend, drei Lagen kräftiger Buchenstämme. Mit Langtauen und Hebebäumen und dem entsprechenden Fluchen waren die Stämme von kräftigen Fäusten an ihren Platz gezerrt. ,,Da geht so'ne Kanonenkugel nicht durch", meinte einer unserer Soldaten „neuer Art", der hier zum ersten Male Pulver roch. Möge er ruhig diesen Glauben behalten, denn das Gefühl der Sicherheit ist das wichtigste bei jeder Deckung. Die Inneneinrichtung der Bude war bald geschaffen, ein Tisch, Wandbretter und Maschendraht gespannt über ein Holzgerüst, auf dem man so gut schläft wie in einem Paradiesbett.
Postkarte: Unterschlupf und zerstörte deutsche Artillerie in der Nähe von Vauclerc - Chemin des Dames.
Bald sollte unser schönes Heim die Feuerprobe bestehen. Im voraus sei's gesagt: es bestand die Prüfung mit ,,ungenügend", und nur der Unterzug verdient das Prädikat: ,,sehr gut". Eine Woche lang dauerte die feindliche Artillerie-Vorbereitung. Meist nachmittags von 2 bis 8 Uhr alle möglichen Kaliber. Bei der Marke „Erdbeben" schwankte unser Bau wie ein Schiff auf hoher See. Nur wenige Meter lagen die Trichter um uns herum; man saß ganz still, redete nicht viel, warf ab und zu einen prüfenden Blick zur Decke und redete sich ein, daß drei Lagen Buchenstämme doch ,,allerhand" sei. Dann rauchte man eine Zigarre nach der anderen; sie ist doch die beste Gefährtin in schlimmen Lagen! Der Krug geht so lange zum Wasser bis er bricht, und der Unterstand - nun, er bekam auch seinen Volltreffer. Vizewachtmeister Link lag alleine auf den Decken, wir anderen waren am linken Flügel der Batterie. Da funkt das Telephon herüber vom rechten Flügel: ,,Offizier-Unterstand durch Volltreffer durchschlagen, Rettungsarbeiten sind im Gange, Vizewachtmeister Link lebt." Kanonier Gug hatte auf Leitungs-Patrouille zuerst das Unglück gesehen und sofort die Kanoniere alarmiert. Es lag ein tolles Feuer auf der Batterie, alle Sträucher im Park in Manneshöhe von den Splittern zerfetzt, doch keiner besann sich auch nur eine Sekunde zu helfen, wo ein Kamerad zu retten war. Voran Unteroffizier Michel und Unteroffizier Klotz, dann die Gefreiten Groß und Salzmann, alle mit Hacke und Spaten. ,,Nur Ruhe, wir holen dich schon heraus." Lange hatte Vizewachtmeister Link nicht gerufen, da war er besinnungslos geworden. Runter in den Trümmerhaufen und zugepackt! Eingeteilt lag Link unter Stämmen, Erde und Splittern. Auf der Seite war die Granate in die Drei-Lagen-Deckung gefahren, hatte die schweren Stämme fortgeblasen, zersplittert, geknickt; unten war Link vom Lager geschleudert, lag nun in der Mitte des Raumes und schützend hinderte der Unterzug das Nachbrechen der ganzen Last über ihm. Man zog an Link, er war eingekeilt und nicht zu bewegen. Ein Nachgraben hätte leicht die ganzen Trümmer zum Einsturz gebracht. Da half nichts: angepackt und unter Michels lautem ,,zugleich" wurde Link hervorgezerrt. Daß ihm dabei der Knöchel brach, war ein kleines Übel bei der drohenden Gefahr. Risse im Gesicht, ein Nervenschock und ein gebrochener Knöchel, das war das Endergebnis. Und das herrliche Gefühl treuester Hilfe von jedem Kanonier, wenn ein Kamerad in Not ist.''
Postkarte: Bôve Chateau - Vor und nach der Zerstörung durch französische Artillerie.
Postkarte: Les Ruines de la Grande Guerre - Wald von Vauclerc.
Der Großkampftag am 16. April.
,,In der Nacht äußerst lebhafte Feuertätigkeit. Der Feind belegt ohne Unterbrechung Anmarschwege und Hintergelände mit mittlerem und schwerem Kaliber. Auch die Batterien liegen die ganze Nacht durch unter schwerem Feuer, ebenso wie am Morgen. Die feindliche Fliegertätigkeit wird außergewöhnlich stark. Zahlreiche Flieger ganz tief über Batterie- und Infanteriestellungen schießen feindliche Batterien ein. Eine Munitionskolonne des 3. Garde-Feldart.Rgts. wird von Fliegern mit M.G. beschossen. Gegen 6 Uhr vormittags rote und grüne Leuchtkugeln, zugleich Blinkspruch der Infanterie, daß der Feind im ganzen Abschnitt angreift. Er glaubte die deutsche Artillerie durch sein achttägiges Trommelfeuer unschädlich gemacht zu haben. Aber schlagartig setzte auf den Ruf des Postens: ,,Rote Leuchtkugeln" unser Sperrfeuer ein. Wie ein gewaltiges Aufbrüllen klang es am 16. April, als ob die Geschütze mit ihrer Bedienung mitempfunden hätten und froh wären, die aufgespeicherte Erbitterung und Wut unserer Leute endlich lösen zu können.
Rauchgeschwärzt, nicht achtend auf die einschlagenden Granaten, standen unsere braven Kanoniere und schickten Schuß auf Schuß in die dichtgedrängten Reihen der angreifenden Franzosen. Während des Feuers liegen Bouconville-Schlucht und Batterien unter Gas, Leutnant Heinz Kruck wird bei 2. Batterie schwer verwundet. Um 9 Uhr vormittags Mitteilung der Infanterie, daß der Feind rechts und links in die erste Stellung eingedrungen, Ostrand von Craonne vom Feinde besetzt ist. Gegen 10 Uhr beobachtet Oberleutnant Pohlmann, Führer der 4. Batterie, stürmende Franzosen auf der Höhe in Richtung Ailles und schießt mit einem Zuge in direkter Beobachtung dorthin. Eine feindliche Abteilung, die bis zu den Trümmern des ehemaligen Klosters Vauclère vordringt, wird abgeschnitten und gefangengenommen. 12 Uhr mittags sammelt sich der Feind hart südlich der ehemaligen Mühle Vauclerc, 4. und 5. werden darauf angesetzt. Die tapferen Batterien kämpfen unverdrossen. Freilich müssen zeitweise die Führer mit größter Energie ermattete und übermüdete Kanoniere zusammenreißen, mit zusammengebissenen Zähnen stehen die prächtigen Kerle an den Geschützen, liegt der Stab der II. ohne Deckung in Dreck und Feuer.
Unermüdlich guckt Pohlmann durchs Glas und schießt mit seiner braven 4. Batterie wie auf dem Schießplatz, nur ruhiger, weil's keine Besichtigung ist. Bei der 5. holt Westerberg das letzte heraus und bei der 6. hält der schneidige Leutnant Reuter den Laden in Ordnung und lacht nur höhnisch, als zurückgehende Infanterie die Nachricht bringt, der Winterberg werde geräumt. Die I. Abteilung hatte mit ihren Stellungen etwas mehr Glück gehabt, aber auch hier waren die Batterien am Ende ihrer Kraft, ohne auch nur einmal nachzulassen. Und die Front hielt. 12.15 Uhr kommt das Erste Garde-Regiment zu Fuß zur Verstärkung. Nach Angabe der Infanterie lag das Feuer der Batterien tadellos. Der Feind stürmte aufrecht in mindestens drei dichten Wellen gegen unsere Linien vor und hatte durch das gutliegende Sperrfeuer unerhörte Verluste. Die M.Gs. unserer Infanterie waren zum großen Teil zerstört oder verschüttet. Erreicht hatte der Feind, abgesehen von kleinen, unwichtigen, örtlichen Erfolgen, nichts. Gegen Abend wird es ruhiger. Infanteriemeldungen über Verlauf der eignen Linie sind am Abend noch unbestimmt, worauf die neue Lage derselben bzw. der Stellungen durch Artilleriepatrouillen festgestellt wird. Die folgende Nacht und Tag außergewöhnlich ruhig, der Feind scheint nach ungeheuren Verlusten Reserven heranzuziehen und seine Artillerie umzugruppieren. Aber die Ruhe war nur sehr kurz, es folgen eine Reihe weiterer, sehr schwerer, in ähnlicher Weise verlaufener Kampftage mit Angriff und Gegenangriffen, bei denen das Regiment sich in hervorragender Weise beteiligte, ...''
Skizze der Feuerstellungen in der Aisne-Schlacht, März-April 1917:
Quelle: Buch des 2. Nassauische Feldartillerie-Regiment Nr. 63 Frankfurt im Weltkriege, Teil 2.
Quelle: Französische Infanterie im Angriff gegen den Chemin des Dames - Liberty's Victorious Conflict: A Photographic History of the World War, Woman's Weekly .


