Obergefreiter Willi Friedrich – der militärische Weg meines Urgroßvaters
Guten Tag,
nachdem ich mich im Forum zunächst mit einem Text und einem Foto meines Urgroßvaters vorgestellt habe, möchte ich seinen bisher rekonstruierten militärischen Weg einmal zusammenhängend darstellen.
Mein Urgroßvater Willi Friedrich, in der Feurstein Urkunde als Gfr. Friedrich Wilh. geführt, stammte aus dem schönen Westerwald.
Die Rekonstruktion seiner militärischen Laufbahn ist bis heute nicht einfach. Sein Wehrstammbuch ging nach den vorliegenden Angaben durch Feindeinwirkung verloren. Auch die vorhandenen WASt-Unterlagen sind deshalb lückenhaft. Ein Teil seiner Geschichte lässt sich jedoch inzwischen aus verschiedenen unabhängigen Quellen zusammensetzen: aus Dokumenten aus seinem Nachlass, Fotografien, Feldpostangaben, Familienüberlieferungen, Literatur und inzwischen auch aus Unterlagen, die von anderen Nachfahren der 2. Gebirgs-Division zur Verfügung gestellt wurden- Danke an den Nutzer Eismeerfront!
Ausbildung und Eintritt in den Wehrdienst
Der Beginn seiner militärischen Laufbahn liegt noch vor dem inzwischen relativ gut rekonstruierbaren Einsatz als Gebirgsjäger. Die genaue Ausbildungsfolge mit Einheiten, Standorten und Zeitpunkten soll noch anhand der vorhandenen Unterlagen weiter präzisiert werden.
Fest steht, dass Willi vom Gebirgsjäger-Regiment 140 zum Gebirgsjäger-Regiment 136 gelangte und dort dem II. Bataillon zugeordnet war.
Besonders wichtig ist dabei die Frage nach seiner Kompanie.
In den WASt Unterlagen ist die Feldpostnummer 31059 F überliefert. Bereits aufgrund dieser Angabe hatte ich ihn der 10. Kompanie zugeordnet. Diese Zuordnung konnte inzwischen durch einen weiteren schriftlichen Beleg sehr wesentlich bestätigt werden.
10. Kompanie / Gebirgsjäger-Regiment 136
In einer Verleihungsliste des Kriegsverdienstkreuzes 2. Klasse mit Schwertern findet sich unter der laufenden Nummer 2219:
„Friedrich Wilhelm – Weidenhahn – 13.6.1917 – Obgefr. – 10./136 – 30.1.43“
Damit liegt nicht nur ein weiterer Hinweis auf seine Einheit vor. Der Eintrag dokumentiert zugleich seine Personalien, seinen Dienstgrad und die 10./GJR 136.
Besonders bedeutend ist dieser Fund deshalb, weil ich die Zugehörigkeit zur 10. Kompanie bisher vor allem aus der Auswertung anderer Hinweise rekonstruiert hatte. Zum Beispiel einem Bild auf welchem eine Schnitzerei zu sehen ist. Das Bild werde ich hier beifügen.
Norwegen
Ein wesentlicher Abschnitt seines militärischen Weges führte nach Norwegen.
Torpedierung am 1. Mai 1940
- Willi befand sich während des Norwegen-Transports auf See.
- Das Fotoalbum enthält eine geschlossene Bildfolge:
- „M.-Boot in Begleitung“
- „Am Geschützrohr eines M.-Bootes“
- „Kurz vor der Torpedierung“
- „Gerettet nach der Torpedierung“
- Die Familienüberlieferung berichtet, dass Willi bei der Torpedierung über Bord ging, sich im eiskalten Wasser befand und anschließend gerettet wurde. Auch konnte er sich laut eigener Überlieferung durch schwimmen am Leben halten.
- Am 1. Mai 1940 wurden im Rahmen der deutschen Seetransporte nach Norwegen die Transporter Bahia Castillo und Buenos Aires torpediert.
- Das Kriegstagebuch des Divisionsarztes der 2. Gebirgs-Division dokumentiert die dabei entstandenen Verluste.
- Das persönliche Fotoalbum verbindet Willi eindeutig mit dem Torpedierungs- und Rettungskomplex.
- Noch nicht endgültig geklärt ist nur der konkrete Transporter, auf dem Willi beim Treffer war. Die vorhandenen Bilder zeigen sowohl „Ahrensburg“ als auch „Bahia Castillo“. Das darf nicht mit der Tatsache der Torpedierung selbst verwechselt werden.
Aus seinem Nachlass stammt eine Teilnehmerurkunde der Gruppe Feurstein für den Nordnorwegen-Feldzug. Diese Urkunde wurde mir vor vielen Jahren von seiner Tochter übergeben.
Gerade diese Urkunde war für meine eigene Forschung ein entscheidender Ausgangspunkt.
Bei der weiteren Beschäftigung mit dem II./Gebirgsjäger-Regiment 136 und dessen Einsatz in Nordnorwegen ergaben sich zahlreiche Verbindungen zu Orten und Ereignissen, die ich während meiner eigenen, aktuell laufenden, Forschungsreise 2026 in Norwegen aufgesucht habe.
Fotografische Zeugnisse
Von Willi Friedrich ist unter anderem ein Foto erhalten, das ihn als Obergefreiten zeigt. Das habe ich bereits heute Morgen im Forum an anderer Stelle geteilt.
Auf der Feldspange sind zwei Auszeichnungen beziehungsweise Tragezeichen zu erkennen. Eines davon hatte ich bereits aufgrund des Fotos als Kriegsverdienstkreuz eingeschätzt.
Diese Einschätzung konnte nun dank dem Nutzer Eismeer durch die oben genannte Verleihungsliste bestätigt werden:
Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern – verliehen am 30.01.1943.
Das zweite auf dem Foto erkennbare Abzeichen wird von mir weiterhin als Medaille „Winterschlacht im Osten 1941/42“ (Ostmedaille) angesprochen. Die genaue Ausführung und der entsprechende amtliche Verleihungsnachweis müssen noch geklärt werden.
Auch am linken Unterarm ist auf dem Foto ein weiteres Abzeichen zu erkennen, das ich als Kraftfahrbewährungsabzeichen vermute. Die genaue Stufe ist bislang nicht sicher bestimmt.
Die „Eisbären“
Eine besonders interessante Spur führt in die Nachkriegszeit.
Aus der Familie ist überliefert, dass sich ehemalige Kameraden regelmäßig zu sogenannten „Eisbären-Treffen“ zusammenfanden.
Nach den Angaben aus dem Buch „Dem Eide getreu“ fanden diese Treffen zunächst in Kufstein und später in Söll im Hotel Postwirt statt.
Auch diese Angabe deckt sich mit den Familienüberlieferungen.
Eine besondere persönliche Verbindung ergibt sich daraus, dass der damalige Besitzer des Hotel Postwirt in Söll, Johann „Joch“ Bliem, nach unserer Familienüberlieferung der beste Freund meines Urgroßvaters Willi Friedrich war.
Warum die ehemaligen Kameraden sich selbst als „Eisbären“ bezeichneten, konnte bislang wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt werden.
Die offene Frage „Finnland“ und der Fallschirmeinsatz
Eine weitere Überlieferung aus der Familie ist besonders ungewöhnlich.
Es wurde erzählt, Willi sei über „Finnland“ mit einem Flugzeug transportiert und aus dem Flugzeug „geschubst“ worden.
Ein unmittelbarer Nachweis dafür liegt bisher nicht vor.
Während meiner Forschungsfahrt durch Norwegen 2026 bin ich allerdings auf Dokumente und Hinweise gestoßen, die zeigen, dass Angehörige des Gebirgsjäger-Regiments 136 in Nordland tatsächlich im Zusammenhang mit Fallschirmeinsätzen standen.
Damit ist die Familienüberlieferung für mich nicht bewiesen, aber historisch wieder interessant geworden. Erst heute sprach ich mit einem norwegischen Wissenschaftler darüber. Angehörige der Wehrmacht haben nicht immer eine Auszeichnung für die Ausbildung oder einen Sprung bekommen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb weiterhin:
War Willi Friedrich selbst an einem solchen Einsatz beteiligt – und wenn ja, wann und wo?
Diese Frage ist derzeit offen.
1943 und die weitere Laufbahn
Der neue Verleihungsnachweis vom 30. Januar 1943 zeigt, dass Willi zu diesem Zeitpunkt weiterhin als Obergefreiter der 10./GJR 136 geführt wurde.
Damit besitzen wir jetzt einen wichtigen festen Punkt innerhalb seiner militärischen Laufbahn.
Von hier aus muss sein weiterer Weg Schritt für Schritt rekonstruiert werden.
Verwundung:
Familien Überlieferung:
Im Elsass Schoßen sich mein Urgroßvater und Willi in einer Kirche in einem Windfang gegenseitig an. Willi hatte einen Bauchschuss. Mein Urgroßvater und der Amerikaner kamen beide in ein deutsches Lazarett.
WASt Daten:
- 22.03.1945: Willi Friedrich wurde als verwundet erfasst.
- Der Zugang zum Lazarett Haina erfolgte über die Krankensammelstelle Marburg.
- Zum selben Zeitpunkt wird er beim Stab II./Gebirgsjäger-Regiment 136, 2. Gebirgs-Division geführt.
- 01.05.1945: Er wurde als dienstfähig den amerikanischen Besatzungstruppen übergeben.
Gefangenschaft
Am Ende seines Kriegsweges steht die Gefangenschaft.
Für meinen Urgroßvater war diese Zeit nach der Familienüberlieferung die schlimmste Zeit seines Lebens. Er wurde nach Remagen ins Rheinwiesenlager gesteckt.
Gerade dieser letzte Abschnitt gehört jedoch zu den Teilen seiner Biografie, die noch genauer dokumentiert werden müssen. Welche Gefangenschaftsstation, welche Daten, welche Umstände und welcher genaue Weg dorthin vorlagen, soll anhand weiterer Unterlagen rekonstruiert werden. Haina konnte mir nicht weiterhelfen.
Stand der Forschung
Der militärische Weg meines Urgroßvaters lässt sich heute bereits wesentlich genauer darstellen als noch vor einigen Jahren.
Und manchmal passieren Dinge wie vor einer Stunde, ein freundlicher Tiroler sendet mir ein Dokument was den Namen meines Urgroßvaters trägt. Ich forsche seit 2 Monaten sehr intensiv. Teilweise 15 Stunden pro Tag. Da ist ein Volltreffer wie der Name des besten Freundes meines Urgroßvaters auf Seite 144 des Buches „dem Eide getreu“ oder das heutige Dokument eine Bestätigung, dass es Wert ist so hartnäckig zu forschen.
Daneben stehen mehrere offene Forschungsfragen, insbesondere zur genauen Ausbildungszeit, zu einzelnen Stationen seines militärischen Weges, zur Überlieferung des Fallschirmeinsatzes und zu seiner Gefangenschaft.
So das war’s fürs erste muss noch ein Buch lesen dass ich heute vom norwegischen Forscher bekommen habe.
Vielleicht finden sich im Forum weitere Nachfahren, Dokumente, Fotos, Feldpostbriefe oder persönliche Erinnerungen, die helfen können, diese Lücken zu schließen.
Gerade deshalb freue ich mich sehr über den Austausch mit anderen Nachfahren der 2. Gebirgs-Division - vielleicht sogar der 10. Kompanie
Gruß
Der Eisbær


