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Posts by WARNACH

    Hallo Freunde


    Der Volkssturm, der im Oktober 1944 gegründet wurde, war nicht der erste bewaffnete zivile Einsatz, den Deutschland kannte. Zuvor wurden der Werkschutz und die Land- en Stadtwacht gegründet.


    Die Berliner Stadtwacht wurde Ende 1942 als Hilfspolizei zur Bewachung von Kriegsgefangenen und zur Überwachung der ständig wachsenden Zahl von Zwangsarbeitern in der Stadt eingerichtet. Seine Mitglieder rekrutierten sich aus UK-Gestellten Arbeitnehmern, die nach ihrem Arbeitsalltag in den Unternehmen Wachaufgaben wahrnahmen. Sie trugen Zivilkleidung mit einem weißen Armband mit dem Aufdruck "STADTWACHT" und waren bewaffnet. Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben standen sie unter dem Kommando der örtlichen Schutzpolizei.


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    Bei der Gründung des Volkssturms wurde dieses Potenzial der bereits bewaffneten Männer schnell erkannt: Die Stadtwacht sollte in den Volkssturm überführt werden, allerdings mit der Maßgabe, dass dies nur geschehen konnte, wenn ihre Aufgaben vom Volkssturm übernommen werden konnten. Zu diesem Zweck wurde das Aufgebot IV in Betracht gezogen.


    Mit viel Tinte wurde die Beziehung zwischen der Stadtwacht und dem Volkssturm erfasst.


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    Schließlich wurde die Stadtwache aufgelöst. Die Mitglieder gingen, unter Beibehaltung ihrer Bewaffnung, zum Volkssturm über.


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    Einer dieser Berliner Stadtwachen war der 54-jährige Fahrstuhlführer Willy Robrahn, der im Wehneltsteig 4 in Siemensstadt wohnte.


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    Im Gegensatz zu dem Bericht vom Januar 1945 über die Auflösung der Stadtwacht und deren Übernahme durch den Volkssturm war Willy Robrahn noch am 1. Februar 1945 in der Stadtwacht unter dem Schutzpolizei-Gruppenkommando West einbezogen, wie diese Bescheinigung, die sich in seinem Wehrpass befand, erwähnt.


    Bescheinigung Robrahn - Stadtwacht Berlin.JPG


    In Berlin scheint die Stadtwacht als "autonome" Einheit, neben dem Volkssturm, tatsächlich etwas länger existiert zu haben. Ein weiterer Beweis dafür ist neben dieser Bescheinigung die Liste der verfügbaren Kräfte im Kampfabschnitt A vom 3. Februar 1945. Auch hier wird eine Einheit "Stadtwacht" erwähnt.


    Stadtwacht in Abschnitt A.jpg


    Am Ende war dies nur eine zeitliche Verzögerung, und die Berliner Stadtwacht ging endgültig im Berliner Volkssturm auf. Und so auch, mit hoher Wahrscheinlichkeit, Willy Robrahn.


    In Willy Robrahn's Wehrpass gab es ein weiteres interessantes handgeschriebenes Dokument.


    Zettel Kriegslazarett 18494.jpg


    „ … Nachforschung


    Ausgegeben für Robrahn Willi Deutscher in Gefangenschaft zum Auskurieren im Feldlazarett No. 18494 D am 19. Mai 1945. Schlechtes Bewegen des linken Schulterblattes und Oberarmes in die Heimat entlassen.


    Der Vorsteher/ 18494 …“




    Jede einzelne Suche nach diesem Lazarett lief gegen eine Mauer. Dieses Lazarett 18494 D schien nie zu existieren. Die typischen Stempel fehlen.


    Ich befürchtete, die Geschichte würde hier enden... bis ich auf die Idee kam, die Handschrift dieses "Dokuments" mit der Handschrift von Robrahn in seinem Wehrpass zu vergleichen.


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    Vermutlich zeigte Willy Robrahn "Initiative" und schrieb sich selbst eine improvisierte (amateurhafte) Entlassungsnotiz. Ob es tatsächlich funktioniert hat, wissen wir leider nicht...


    Grüße


    Peter

    Guten Morgen Freunde


    Ein seltener Fund...


    Nach der Gründung des Volkssturms im Oktober 1944 gab es ein Dokument, das nicht nur enorme Auswirkungen auf die sofort verfügbaren Volkssturmkräfte, sondern auch auf Leben und Tod des einzelnen Volkssturmmann hatte als die Zuteilungskarte.
    Dieses Dokument ist natürlich in der Literatur ausführlich beschrieben, aber im Gegensatz zu anderen Dokumenten ist die Zuteilungskarte nicht auffindbar.


    Ich arbeite seit Jahren intensiv an meiner Sammlung mit dem Schwerpunkt "Berliner Volkssturm Papier", habe aber noch nie eine Zuteilungskarte gesehen.



    Aber fangen wir mit der Geschichte an


    Vermutlich Ende Oktober oder im November 1944 wurde Walter Müller, wohnhaft in der Fontanestraße 18, in seiner Ortsgruppe "Lichterfelde-West" in, in den Volkssturm eingegliedert.
    Im Alter von 36 Jahren wurde er im Aufgebot I aufgenommen.


    Das Staatliches Materialprüfungsamt, bei dem Müller für die Wartung der elektrischen Anlage zuständig war, leitete das Verfahren zur Umstufung von Müller auf Aufgebot II ein, um ihn zur Verfügung behalten zu können.


    Karte MatPrüAmt - Kreis - Ortsgruppe - Müller - light.jpg


    Das Personal von Aufgebot I konnte im Gegensatz zu Aufgebot II schnell in den ersten Volkssturm Einsatz Einheiten eingegliedert werden.
    Darüber hinaus konnten diese Einheiten von Aufgebot I bis an die Gaugrenzen eingesetzt werden, was natürlich bedeutete, dass die Volkssturmmänner nicht jeden Tag nach Hause zurückkehren konnten wie ihre Kollegen von Aufgebot II.
    Aufgebot II wurde erst aufgerufen, als der Feind fast vor den Toren der Stadt stand.


    Bormann synthese 1.jpg


    Die vorgeschriebene Zuteilungskarte, auch Z-Karte genannt, wurde mit dem Grund ausgefüllt, warum Müller für das Prüfungsamt unentbehrlich war.


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    Die Z-Karte wurde dann dem Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung übergeben, Adresse Unter den Linden 69.


    Karte Mitte Ministerium - Gau Berlin.jpg


    Als Aufsichtsbehörde des Staatliches Prüfungsamtes bestätigte dieses Reichsministerium die Notwendigkeit, Müller an seinem Arbeitsort zu belassen.


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    Das vom Leiter der Präsidialkanzlei, Martin Bormann, ausgearbeitete Verfahren sah vor, dass die Z-Karte nach Bestätigung durch die Behörden an die Kreiskommission des NSDAP-Kreises, in dem der Betroffene wohnte, weitergeleitet werden sollte.
    Dies war der Kreis III, 'Steglitz-Tempelhof', der seine Adresse in der Breite Straße 40.41. in Steglitz hatte.


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    Das Reichsministerium beschloss aus unbekannten Gründen, dieses Verfahren nicht zu befolgen, sondern die Z-Karte an die Gau (Berlin)-Kommission zu übersenden, die ihre Adresse in der Hermann-Göring-Straße 14 in der Nähe der Reichskanzlei hatte.


    Die Gau-Kommission bestätigte die Notwendigkeit, Müller in den Aufgebot II einzuordnen.


    Für die endgültige Abwicklung des Verfahrens musste die Karte der zuständigen Ortsgruppe "Lichterfelde-West" übergeben werden. Logischerweise müsste dies über die Kreisleitung "Steglitz-Tempelhof" erfolgen.
    Am Ende war es dann an der Ortsgruppe, Müller einer Aufgebot-II-Einheit zuzuordnen.



    Diese Z-Karten wurden dann in der Ortsgruppe aufbewahrt.
    Diese "Archive" der vielen Berliner Ortsgruppen gingen im April und Mai 1945 (fast?) alle verloren, absichtlich oder nicht zerstört.


    Diese Z-Karte ist also die erste, die ich je gesehen (und gekauft) habe.
    Daher betrachte ich diese einfache und nicht sehr wertvolle Karte, von der damals viele Tausende verwendet wurden, (bis heute) als das seltenste Stück meiner Sammlung.


    Wie diese eine Karte auf dem Trödelmarkt auf der Straße des 17. Juni gelandet ist, ist ein Rätsel.


    Grüße


    Peter

    Files

    Sehr interessant gebracht!
    Danke!


    "....Ich hatte diesen, warum auch immer, von den Dokumenten getrennt aufbewahrt und diesen Umstand dann schlichtweg vergessen...."


    Das bedeutet meistens das der Sammler eine Unmenge an Material besitzt ;)

    Guten Abend


    Ein kleiner Nachtrag …


    "... Am 2.5. 5Uhr waren General Weidling und die Generale a.D. Weytasch und Schmidt-Dankwarth, die in den letzten Tagen zu uns gestoßen waren, von Russen abgeholt und in das Hauptquartier Tschuikows gebracht worden. Von 6 Uhr an quollen aus allen Häusern, Kellern und Unterschlupfen die Menschen heraus …"


    Quelle: Mein Berliner Tagebuch 1945, Oberst i.G. Hans Refior


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    "... photographed on May 2-nd at 6 p.m. …"


    Dieses Radiofoto, von sehr schlechter Qualität, muss eines der ersten Bilder sein, das der Welt die deutsche Kapitulation in Berlin zeigte.


    Grüße


    Peter

    Guten Morgen Freunde



    Die Geschichte über die Schwierigkeiten des Bataillons 3/715 in der Heeres-Waffenmeisterschule in Treptow hat gestern eine Fortsetzung bekommen. (Beitrag 201)


    Gestern erhielt ich ein Soldbuch, das dem Berliner Volkssturmmann Ernst Thörmer gehörte.
    Er wohnte in der Friedrichsberger Straße Nr. 10 in Horst Wessel.


    Karte Wohnung Thörmer.jpg


    Interessant ist für mich, dass er im Bataillon 3/715 eingezogen wurde. Das Bataillon des Treptower Dokuments.


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    Vermutlich hat er nicht an den Kämpfen in der Stadt teilgenommen.
    Damit war er wahrscheinlich ein Glückspilz.


    Hoffentlich war er auch so, als es um die Zerstörung seines Hauses ging. Die Karte mit dem Stand von 1945 zeigt, dass Thörmers Haus nicht (oder vielleicht gerade doch) zerstört wurde.


    Schäden - Karte.jpg


    Schönes Wochenende


    Peter

    Hallo Freunde


    Bei den von mir gesammelten Dokumenten des Volkssturm Berlin muss es nicht immer um die Bataillone oder um Einzelpersonen gehen.
    Solange sie mit dem Volkssturm und bestätigt mit Berlin zu tun haben, passen diese Dokumenten in meiner Sammlung.
    Deshalb habe ich heute ein für mich interessantes Foto gekauft.


    Foto.jpg


    Dank der Ärmelband "NSDAP Frauenschaft Berlin" war mir die Berliner Verbindung wieder sicher.


    Auf der Rückseite


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    Als zusätzliche Illustration ein bereits gezeigter Artikel aus der Berliner Ausgabe des Volkischen Beobachters vom 3. März 1945.


    Zeitung Frauen Mädel.jpg


    Grüße


    Peter

    Hier die Akte


    1 - Doc Schmitt.jpg


    2 - Doc Schmitt.jpg


    3 - Doc Schmitt.jpg


    4 - Doc Schmitt.jpg




    Die Folgen für Generalmajor Bruns, Kommandeur der Heereswaffenmeisterschule ...


    Gen BRUNS.jpg



    Und das Volkssturmbataillon 3/715?


    Am 15./16. Januar 1945 erhielten alle Gauen den Befehl, 1 - 2 Volkssturmbataillone z.b.V. für die Ostfront auf zu stellen. Möglicherweise war dieses Bataillon 3/715 dafür bestimmt. Dies passt auch zu dem Aufruf des Roten Kreuzes ("Wer war dabei") nach dem Krieg, Informationen über dieses Bataillon zu melden. Die wenigen registrierten Vermissten weisen alle auf einen Einsatz im Osten hin.


    Grüße


    Peter

    Hallo Freunde


    Durch einen günstigen Wind kam ich in den Besitz einer original Akte, die im Januar 1945 an der Heereswafenmeisterschule in Berlin Treptow erstellt worden ist.


    AK - Heereswaffenmeisterschule.jpgMap Heereswaffenmeisterschule.jpg


    Interessant war für mich die Tatsache, dass sich diese Akte mit den Schwierigkeiten befasst, die das Volkssturmbataillon 3/715 in dieser Schule begegnete.


    1. - Cut out Aktenvermerk.jpg


    Der Heeresfeldzeugmeister, Generalleutnant (RKT) Paul Danhauser befahl Oberst Schmitt, vor Ort zu gehen und den gemeldeten Sachverhalt zu untersuchen.


    Auftrag Schmitt.jpg

    Hallo Anhaltiner


    Der "Bonus" auf der Rückseite ist sicher interessant. Oberst Ernst Kaethers Vater war im Weltkrieg Oberstleutnant und erhielt am 8. November 1918 den "Pour le Merite".
    Auf der Rückseite des Bildes der RK-Verleihung des Sohnes hat der Vater in 1953 einige Zeilen geschrieben und unterzeichnet.
    Hier hat also ein PlM-Gewinner ein Foto eines RK-Gewinner Signiert ^^


    Grüße und abermals vielen Dank!


    Peter

    Hallo Freunde


    Ich habe wieder die Zeit gefunden etwas zu schreiben.


    Grüße


    Peter

    Donnerstag 3. Mai 1945

    Der Bericht des OKW

    „…In der Reichshauptstadt setzen Reste der tapferen Besatzung in einzelnen Häuserblocks und in Regierungsviertel ihren heroischen Widerstand gegen die Bolschewisten immer noch fort …“



    Nach guter Tradition verteilen die Russen wieder einige Flugblätter an die Bevölkerung.


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    Freitag 4. Mai 1945

    Der Bericht des OKW

    „… Der Kampf um die Reichshauptstadt ist beendet. In einem einmaligen, heroischen Ringen haben Truppen aller Wehrmachtteile und Volkssturmeinheiten, ihrem Fahneneid getreu, bis zum letzten Atemzug Widerstand geleistet und ein Beispiel besten deutschen Soldatentums gegeben. …“



    In 4 Tagen, am 8. Mai 1945, unterzeichnet Deutschland die bedingungslose Kapitulation …





    Nachtrag


    Dies ist mein letzter täglicher Beitrag für diesen Thread. In dieser Corona-Zeit, in der ich gezwungen bin, von zu Hause aus zu arbeiten, hat dieses „Projekt“ mir 3 Wochen Abwechslung geboten. Als zusätzlicher Vorteil ist meine Papiersammlung noch einmal entstaubt worden. ^^


    Diese Objekte hätten sicher auch einen Platz hier in diesem Thread verdient. Leider waren/sind einige noch per Post unterwegs.
    Ich werde sie sicher in der 2045 Thread "Vor 100 Jahren begann die Schlacht um Berlin..." verwenden ;)


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    Bleiben Sie gesund und passen Sie aufeinander auf!


    Peter



    Dieser Kompilationsfilm mit russischem Filmmaterial, ob teilweise nachgestellt oder nicht, gibt einen guten Eindruck davon, wie in Berlin die Kampfhandlungen zwischen dem 21. April und dem 2. Mai verliefen.


    https://www.youtube.com/watch?v=mJBLlBvI3bw

    Mittwoch 2. Mai 1945 (und Donnerstag 3. Mai)

    Der Bericht des OKW

    “… An der Spitze der heldenmütigen Verteidiger der Reichshauptstadt ist der Führer gefallen. Von dem Willen beseelt, sein Volk und Europa vor der Vernichtung durch den Bolschewismus zu erretten, hat er sein Leben geopfert. Dieses Vorbild, getreu bis zum Tod, ist für alle Soldaten verpflichtend. Die Reste der tapferen Besatzung von Berlin kämpfen im Regierungsviertel, in einzelne Kampfgruppen aufgespalten, erbittert weiter …“



    Die Schlacht ist vorbei ... um 18 Uhr ergeben sich Weidling und sein Stab, der Rest der Garnison folgt schnell. Überall sieht man gemischte Gruppen von Wehrmachtssoldaten und Volkssturmmänner, die zu Sammelplätzen gehen.


    Dieses Bild wird an der Oberbaumbrücke aufgenommen.


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    Die letzten Bastionen, die sich ergeben, sind die Flaktürme von Zoo und Humboldthain. Dieses Bild zeigt die obere Flak Stellung des Flakturms Zoo, wie sie die Russen vorfinden; in der Ferne seht man den Reichstag.


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    Und auf dem reichstag … das Symbol des russischen Sieges, die Rote Fahne.


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    Die Russen versammeln viele Zehntausende von Kriegsgefangenen. Lange Kolonien mit Soldaten von Heer, Luftwaffe, Marine, Waffen-SS, Volkssturm und sogar Hitlerjugend verlassen heute und morgen Berlin und marschieren in den Osten, in eine unbekannte Zukunft.


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    Die BBC sendet diese Nachricht über die Kapitulation der Reichshauptstadt.


    http://www.rias1.de/sound4/timeline_nachrichten/1945_alliierte_sender/1945-05-01-bbc-n-kapitulation_von_berlin

    Dienstag 1. Mai 1945


    Der Bericht des OKW


    „…Im Stadtkern von Berlin verteidigte sich die tapfere Besatzung, um unseren Führer geschart, auf engstem Raum gegen die bolschewistische Übermacht. Unter schwerstem feindlichen Artilleriefeuer und rollenden Luftangriffen dauert das heroische Ringen an…“



    General der Artillerie Weidling, Kampfkommandant des Verteidigungsbereich Berlin beschreibt die Situation:


    “ … In der zweiten hälfte des 1. Mai hatte sich die Lage außerordentlich verschärft. Die Verteidiger von Berlin waren auf einen sehr kleinen Raum zusammengedrängt worden. In Händen der Russen waren: der Bahnhof Zoologischer Garten, die Ost-West-Achse bis zum Brandenburger Tor, die Weidendammbrücke, der Spittelmarkt, die Leipziger Straße, der Potsdamer Platz, die Potsdamer Brücke und die Bendlerbrücke? Die 18. Panz.Gren.Div., deren Hauptkräfte noch in Wilmersdorf standen, und einige Verbände südlich des Reichssportfeldes waren in den schweren Kämpfen zerschlagen worden. An einen erfolgreichen Durchbruch war nicht mehr zu denken. Bedauerlicherweise meldeten sich die Funkstellen der einzelnen Abschnitte nicht mehr. Es bestand allein nur noch Fernsprechverbindung mit einem der Bunker der Flakartillerie am Zoologischen Garten, vor dem bereits 10-15 russische Panzer standen …”



    An diesem Tag begehen Goebbels und seine Frau Selbstmord.



    Nach reiflicher Überlegung fasst Weidling gegen 21 Uhr den Entschluss morgen, dem 2. Mai, die Schlacht zu beenden. Er gibt den Verteidigern die Freiheit, zu versuchen, aus Berlin zu fliehen, bevor die Kapitulation in Kraft tritt.
    In einem Funkspruch an die Russen bittet er darum, die Kapitulationsverhandlungen am 2. Mai um 12.50 Uhr aufzunehmen.



    An diesem letzten vollen Kampftag in der Reichshauptstadt, in der Behrenstraße, wird der Volkssturmmann Josef Vombach von der 1. Kompanie des Volkssturmbataillons 3/550 durch ein Splitter an der rechten Körperseite schwer verletzt. Seine Verletzung ist so groß, dass er nicht transportiert werden kann.


    Vombach - Verwundeten Zettel.jpg



    Daher kann er an keinem der verschiedenen Ausbruchsversuche in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai 1945 teilnehmen.
    An den Ausbruchsversuchen sind beteiligt u.a:


    Generalmajor Erich Bärenfänger, Abschnittkommandant von „A“ und „B“. Zusammen mit seiner Frau und seinem Schwager befindet er sich in einer Kolonne, die einen Ausbruch nach Norden versucht. Dieser Versuch scheitert.
    Am Ende begehen er, seine Frau und sein Schwager Selbstmord.
    Da seine Leiche nie gefunden wurde, wird er in den folgenden Jahren beim Roten Kreuz als vermisst gemeldet.


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    Brigadeführer und Generalmajor der W-SS Wilhelm Mohnke, Abschnittskommandant des zentralen Sektors "Z", leitet einen Ausbruchsversuch einer Gruppe, der mehrere prominente Persönlichkeiten und Mitarbeiter der Reichskanzlei angehören. Auch dieser Fluchtversuch geht schief.
    Wilhelm Mohnke wird von den Russen gefangen genommen und nach Russland gebracht, wo er bis Oktober 1955 inhaftiert bleibt. Einen Großteil dieser Zeit verbringt er in Einselhaft


    Am 8. Januar 1956, wenige Monate nach seiner Entlassung, schreibt er diesen Brief.


    Brief Mohnke 1956.jpg





    Heute ist die folgende Radioansprache von Großadmiral Dönitz zu hören


    http://www.rias1.de/sound4/timeline_nachrichten/1945/19450501_grossdeutscher_rundfunk_karl_doenitz_rede_an_deutsches_volk


    Diese Rede wird auch über dieses Flugblatt verbreitet.


    „ … Der Führer ist in der Reichskanzlei gefallen …“ , das symbolische Ende der Schlacht um Berlin.



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    Morgen wird dieser ungleiche Kampf endlich zu einem Ende kommen...

    Montag 30. April 1945


    Der Bericht des OKW


    “… Das heroische Ringen um das Zentrum der Reichshauptstadt hält mit unverminderter Heftigkeit an. In Erbitterten Häuser- und Straßenkämpfen halten Truppen aller Wehrmachtteile, Hitler-Jugend und Volkssturm den Stadtkern, leuchtendes Sinnbild deutschen Heldentums. Am Anhalter Bahnhof, entlang der Potsdamer Straße und in Schöneberg eingebrochener Feind wurde von den tapferen Verteidigern zum stehen gebracht.
    Fliegende Verbände warfen unter aufopferungsvollem Einsatz den Besatzungen erneut Munition über der Reichshauptstadt ab.
    Südlich der Stadt stehen unsere zum Entsatz herangeführten Verbände im Kampf mit starken bolschewistischen Verbänden, die unter hohen blutigen Verlusten abgewiesen wurden …“



    Durch das Scheitern der 12. Armee ist Berlin endgültig auf sich allein gestellt. Der Sturz der Hauptstadt, egal wie heftig der Kampf noch sein mag, ist unvermeidlich. Die Verteidiger von Potsdam und Teile des 9. Armee können sich der 12. Armee anschließen. In den nächsten Tagen kämpfen sich diese Einheiten zurück an die Elbe, und ergeben sich dort den Amerikanern.
    Durch den ständigen Strom katastrophaler Meldungen ist die Stimmung in den Bunkern unter der Reichskanzlei unter Null gesunken. Alle Hoffnung ist verloren.


    Die Reichskanzlei liegt in der Mitte des Regierungsviertels. Die Keller sind seit Tagen mit Zivilisten, Soldaten und Verwundeten gefüllt. Das improvisierte Notkrankenhaus ist überlastet.


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    Der zentrale Sektor, Kampfabschnitt "Z", wird von Brigadeführer und Generalmajor der Waffen- SS Wilhelm Mohnke aus den Kellern der Reichskanzlei geführt. Er kommandiert einen Mischmasch aus SS, Volkssturm und sogar ein Marinekommando.


    Brigadeführer und general Major der W-SS Mohnke.jpg




    Unterhalb der Präsidialkanzlei liegt der Adjutantenbunker, dieser Teil der Reichskanzlei ist von den übrigen Kellerräumen getrennt. SS-Wachen des Begleitkommandos und Agenten des Reichssicherheitsdienstes sind für die Kontrolle und den Zugang zu diesem Teil des Kellerkomplexes zuständig, denn von hier aus gibt es einen Zugang zum Führerbunker…


    Wie an jedem anderen Tag führt SS - Hauptsturmführer und Kriminalkommissar Johan Bergmüller, Stellvertreter von SS-Obersturmbannführer Peter Högl, seine Runden, um die Wachposten des Reichssicherheitsdienstes zu überprüfen.


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    So kommt er auch in den Führerbunker, wo das Team von Kriminalsekretär Johann Hofbeck installiert ist. Hofbeck besetzt mit seinen 9 RSD-Agenten zwei kleine Räume im Führerbunker. Diese Gruppe ist für die Sicherheit der Eingänge dieses unterirdischen Komplexes verantwortlich.


    Sie bewachen rund um die Uhr den Notausgang des Führerbunkers, der in den Garten der Reichskanzlei führt. Es sind immer mindestens zwei Männer auf Posten, einer im Ausgang selbst und einer im runden Lüftungsturm. Die anderen sind auf Patrouille oder ruhen sich aus.


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    An diesem Tag, kurz nach ihrer Heirat, begehen Adolf Hitler und Eva Braun Selbstmord.


    Heute Nachmittag wird ein Teil des Hofbeck-Teams (Hofbeck selbst und die Kriminalassistenten Karnau und Mannsfeld) Zeuge der Verbrennung der Leichen von AH und EB.



    Draußen nähert sich der Lärm von Explosionen und Maschinengewehrsalven immer mehr dem Regierungsviertel...

    Sonntag 29. April 1945


    Der Bericht des OKW


    “… Tag und Nacht tobte der fanatische Häuserkampf um den Stadtkern von Berlin. Die tapfere Besatzung verteidigte sich in schweren Ringen gegen die unaufhörlich angreifenden bolschewistischen Massen. Trotzdem konnte ein weiteres Vordringen des Feindes in einzelnen Stadtteilen nicht verhindert werden. Längs der Potsdamer Straße und am Belle-Alliance-Platz sind heftige Straßenkämpfe im Gange. Von Plötzensee aus zwängte sich der Gegner bis zur Spree durch.
    Südlich Berlin führten die Sowjets neue Verbände gegen unsere im Angriff befindlichen Divisionen heran, mit denen wechselvolle Kämpfe im Gange sind. Beelitz wurde genommen und östlich Werder die Verbindung mit den Verteidigungsbereich von Potsdam hergestellt…“



    Heute ist der letzte Tag, an dem die Armee Wenck noch eine bedeutende Rolle für die Verteidiger der Reichshauptstadt spielt.


    Der Kampf um die Hauptstadt wird natürlich in den unbesetzten Gebieten des Reiches genau verfolgt. Die geschriebene Presse ist völlig abhängig von den Berichten, die über NSDAP-Kanäle Berlin verlassen.


    Wie zum Beispiel die Oldenburgische Staatszeitung zeigt, herrscht nach wie vor der Propaganda.

    Samstag 28. April 1945

    Der Bericht des OKW

    “… In dem heroischen Kampf der Stadt Berlin kommt noch einmal vor aller Welt der Schicksalskampf des Deutschen Volkes gegen den Bolschewismus zum Ausdruck. Während in einem in der neuen Geschichte einmaligen, grandiosen Ringen die Hauptstadt verteidigt wird, haben unsere Truppen an der Elbe den Amerikanern den Rücken gekehrt, um von außen her im Angriff die Verteidiger von Berlin zu entlasten.
    In den inneren Verteidigungsring ist der Feind von Norden her in Charlottenburg und von Süden her über das Tempelhofer Feld eingebrochen. Am Halleschen Tor, am Schlesischen Bahnhof und am Alexanderplatz hat der Kampf um den Stadtkern begonnen. Die Ost-West Achse liegt unter schweren Feuer. Fliegende Verbände unterstützten die Kämpfe unter aufopferndem Einsatz der Besatzungen. Trotz stärkster Jagd- und Flakabwehr wurden bei Tag und Nacht Eingreifreserven gelandet und Munition abgeworfen. …“


    Aus der Lageorientierung der 12. Armee

    „… In Berlin setzte der Feind seine konzentrischen Angriffe planmäßig fort, nördlich der Heerstraße ging Charlottenburg verloren, Kämpfe am Halleschen Tor und Belle-Alliance- Platz…“



    Diese Art von Meldungen erscheint nicht nur in der Panzerbär, man verbreitet sie auch unter den Truppen und der Bevölkerung mit schnell vervielfachten "Kurznachrichten". Heute wird dieses Exemplar verteilt.


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    Natürlich bleiben auch die Russen in diesem Papier-Krieg aktiv, wie dieses Flugblatt zeigt.


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    Radiobeitrag des Journalisten und Radiokommentators Hans Fritsche, einer der wichtigsten Mitarbeiter des Ministeriums für Propaganda und Volksaufklärung.


    http://www.rias1.de/sound4/timeline_nachrichten/1945/1945-04-28-berlin-hans_fritzsche_im_keller_des_funkhauses

    Freitag 27. April 1945


    Der Bericht des OKW

    „… Im Mittelpunkt der Kämpfe stand auch gestern die Schlacht im Raum Berlin. Schulter an Schulter mit allen waffenfähigen Männern führten unsere Truppen einen heldischen Kampf gegen den bolschewistischen Massenansturm, verteidigten jedes Haus und warfen den feind durch Gegenangriffe aus dem inneren Verteidigungsring der Stadt wieder zurück …“


    Fernschreiben Keitels an Heeresgruppe Weichsel


    „… Die Schlacht um Berlin hat ihren Höhepunkt erreicht. Nur wenn es rasch gelingt, 9. Und 12. Armee zu vereinigen und sofort nach Norden vorzustürmen, und wenn das verstärkte Korps Steiner auf Tegel vorstürmt, kann die Schlacht um Berlin noch gerettet werden.
    Der Führer in Berlin erwartet, das die Armeen ihre Pflicht tun.
    Die Geschichte und das deutsche Volk werden jeden verachten, der in dieser Lage nicht das letzte einsetzt, um die Lage und den Führer zu retten…“



    Der Panzerbär, der heute verteilt wird, tut alles, um die Bevölkerung und die Kämpfer mit Artikeln über heroische Aktionen und andererseits mit Artikeln, die Angst vor den Russen schüren, für den Kampf zu motivieren.


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    Die beschriebenen heroischen Handlungen ignorieren die mit ihnen verbundenen Opfer. Was nicht im Panzerbär steht, ist z.B. das Schicksal von HJ Erwin Daniel.
    Der 17-jährige HJ Erwin Daniel, aus der Region München, ist ein Mitglied der Panzernahkampfbrigade HJ.
    In der 2. Aprilhälfte 1945 wird diese Brigade im hinteren Bereich der 9. Armee an der Oder eingesetzt mit der Aufgabe, eventuell durchgebrochene Panzer anzugreifen.
    Wegen der russischen Offensive vom 16. April wird die Brigade nach Westen, Richtung Berlin, gedrängt. Ein Teil der Brigade landet in Berlin und wird von den verschiedenen HJ-Bataillonen in Charlottenburg-Spandau aufgenommen.


    An diesem 27. April dringt eine russische Panzerkolonne aus dem Norden in die Heerstraße ein. Die Hitlerjungen, darunter Erwin Daniel, werden erfolgreich gegen diese Bedrohung eingesetzt ... aber zu welchem Preis?


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    Donnerstag 26. April 1945


    Der Bericht des OKW

    W Bericht 26 April - PB 27 Apr-min.jpeg


    Einer der Protagonisten bei der Verteidigung Berlins ist die Turm-flak Abteilung 123. Die drei Flaktürme „Friedrichshain“, „Humboldthain“ und „Zoo“ haben als Hauptbewaffnung je 4 X 12,8 Cm Flakzwillinge 40 Geschütze. Horizontal gedreht, bekämpfen sie russische Bodentruppen. Weitere Bewaffnung besteht aus 3,7-cm-Flakkanonen und Flak 20 mm-Kanonen.
    Jeder der 3 Flaktürme wird von seinem Leit-Turm kontrolliert. Dieser Turm befindet sich einige hundert Meter vom eigentlichen Flakturm entfernt. Jeder Leit-Turm ist mit Geschützen kleineren Kalibers bewaffnet.


    Im Flakturm von Friedrichshain liegt die 1. Kompanie die bereits ab 21. April auf Bodenziele feuert.
    Vorgestern wurde der Flakturm zum ersten Mal von der russischen Infanterie angegriffen.
    Einer der Soldaten in diesem Turm ist der fast 17-jährige Kanonier Gerhard Friedrich.


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    Als geborener Berliner wohnt er mit seiner Mutter in der Mariannenstraße Nr. 20, nur wenige Kilometer vom Flakturm entfernt. Heute sind er und seine Freunde bereits eine Woche lang in dem riesigen Bunkergebäude eingesperrt. Vom Turm aus haben sie einen hervorragenden Blick über die brennende Stadt


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    Friedrich ist im Januar 1945 an der Flak 43 Zwilling, einer 3,7-cm-Schnellfeuerwaffe, ausgebildet. Während die rote Flut rund um den Turm weiter in Richtung Zentrum Berlins vorrückt, beteiligt sich der Flakturm weiterhin ungestört an den Kämpfen und dies, während viele hundert Zivilisten in den unteren Bereichen Zuflucht gesucht haben.



    In den bereits besetzten Bezirken Berlins installieren die Russen so schnell wie möglich eine neue Sozialstruktur, die für die Ausführung der Befehle des russischen Stadtkommandanten zuständig ist, insbesondere im Bereich der Neuordnung der lebensnotwendigen Versorgung.
    Noch während die Schlacht in der Innenstadt tobt, wird dieses Flugblatt in den besetzten Vierteln verteilt.


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    Auch auf deutscher Seite leistet die Propaganda weiterhin ihre Arbeit. Artikel aus dem Panzerbär:


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