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Gefreiter Krinzessa - vom "Verbrecher" zum Helden

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    • Gefreiter Krinzessa - vom "Verbrecher" zum Helden

      Ich hab vor einiger Zeit einen höchstinteressanten Nachlass bekommen, den ich Euch gerne mal vorstellen möchte.

      Laut Wehrpass wurde der Soldat Erwin Krinzessa bereits 39 eingezogen, er diente in einigen Reiter- und Aufklärungsschwadronen (dazu beim WP mehr)... im Jahre 43 war er immer noch Schütze!Was war passiert? Dies offenbahrt der Nachlass leider nicht, sicher ist nur, dass er bis Januar 43 ohne Auszeichnung war und sich etwas zu Schulden hat kommen lassen.

      Denn er fand sich ab 42 in einer Bewährungseinheit wieder:

      lexikon-der-wehrmacht.de/Glied…ungseinheiten/IB540-R.htm

      Mit dieser Einheit war er an schwersten Kämpfen gegen Rotarmisten beteiligt - ein Auszug aus dem LdW:


      Bis zum 22. Januar 1943 war das
      Bataillon im Brückenkopf Grusino eingesetzt. Der Abschnitt des Bataillons war
      seit dem 17. Januar 1943 um 1,5 km nach Süden am Westufer des Wolchow erweitert
      worden. Nach überstürzter Ablösung in der Nacht zum 23. Januar 1943 wurde das
      Bataillon dem XXVI. Armeekorps
      unterstellt. In der Nacht zum 24. Januar 1943 löste das Bataillon völlig
      abgekämpfte Kräfte im ostwärtigen Abschnitt des Ssinjawinoklocks nördlich Mga
      ab. Der Kernpunkt der Stellung war die Höhe 43,3. Hier wurde die verstärkte 3.
      Kompanie unter Führung von Oberleutnant Wolff, rechts davon die verstärkte 1.
      Kompanie unter Oberleutnant Feuchter eingesetzt. Ein Drittel der Gefechtsstärke
      verblieb zunächst als Reserve in Ssinjawino als Bataillons-Reserve. Im Laufe des
      24. Januar 1943 wurden von der Reserve 3 Gegenstöße auf Befehl des
      Abschnittskommandeurs durchgeführt, da zwischen der Stellung des Bataillons und
      dem linken Nachbarn die HKL nicht in deutscher Hand war und laufend Einbrüche
      der Russen stattfanden. Am Abend des 24. Januar 1943 wurde die HKL wieder
      hergestellt und planmäßig besetzt. In der Nacht zum 25. Januar 1943 wurden
      mehrere Einbrüche und Einbruchsversuche am linken Flügel des Bataillons
      abgewiesen. Am 25. Januar 1943 brachen beim linken Nachbarn Panzer durch. Drei
      gelangten bis Ssinjawino, 2 davon wurden mit Panzervernichtungsmitteln am
      Bataillonsgefechtsstand durch Männer der 4. Kompanie außer Gefecht gesetzt.
      Frontale Tagesangriffe mit starker Artillerie- und Luftwaffenunterstützung
      wurden abgewiesen. Am 25. Januar 1943 übernahm der Kommandeur des Bataillons den
      gesamten Abschnitt des Ssinjawinoblocks. Die Hälfte der 1. Kompanie mit Teilen
      der 4. Kompanie unter Oberleutnant Tetzner übernahm den linken Flügel und löste
      die völlig abgekämpfte SS-Polizei-Einheiten ab. Abends trafen die letzten
      Restteile des Bataillon in Stärke von 60 Mann, die als Nachkommando in Grusino
      geblieben waren, ein. In der Nacht zum 26. Januar 1943 wurden wiederum mehrere
      Einbruchsversuche am linken Flügel der 3. Kompanie im Gegenstoß abgewiesen. Am
      26. Januar wurden weitere frontale Angriffe, z.T. bereits in der Bereitstellung,
      z.T. kurz vor der HKL zerschlagen.

      In der Nacht zum 27. Januar 1943 wurden mehrere Einbrüche am linken Flügel der
      3. Kompanie im Gegenstoß sofort bereinigt. Der Bataillonsabschnitt nordwestlich
      der Höhe 43,3 wurde vom I. Bataillon des Grenadier-Regiment 45 übernommen. Das
      Bataillon verfügte nun wieder über etwas Reserven.

      Der 27. Januar 1943 verlief verhältnismäßig ruhig. In der Nacht zum 28. Januar
      1943 wurden erstmalig Gefallene zurück gebracht, die herumliegende Munition
      sortiert und gestapelt und Vorbereitungen für normale Verteidigung und
      Stellungsausbau getroffen. Am 28. Januar 1943 griff der Russe wieder frontal an,
      die Feuerwirkung war noch besser als in den vergangenen Tagen. Die Führung des
      Gesamtabschnitts übernahm das Grenadier-Regiment 45. Am 29. Januar 1943
      erfolgten Massenangriffe gegen die Höhe 43,3 unter stärkster
      Feuerzusammenfassung auf die HKL und die Gefechtsstände. Sämtliche Angriffe
      wurden unter Aufbietung aller Kräfte noch vor der HKL unter sehr hohen
      feindlichen Verlusten zurückgeschlagen. Die Verluste des Bataillons waren
      inzwischen so hoch, dass die HKL nur noch ganz schwach besetzt war und keine
      Reserven vorhanden waren. Eine Ski-Pionier-Kompanie des Grenadier-Regiments 45
      wurde unterstellt und am linken Flügel des Bataillons eingesetzt. Am 30. Januar
      1943 setzte der Russe an der gesamten Front mit Schwerpunkt Höhe 43,3 seine
      Massenangriffe fort. Er brach mit stärkeren Kräften früh morgens bei der
      unterstellten Pi-Ski-Kompanie durch und stand im Rücken der Höhe 43,3. Von der
      1. Kompanie war inzwischen schon die Masse auf der Höhe eingesetzt. Die schwache
      Stellungsbesatzung im Abschnitt der 1. Kompanie machte auf eigenen Entschluss
      des Leutnant Schilling, unter fast völliger Entblößung der HKL, einen Gegenstoß,
      dem sich auch Teile der 4. Kompanie anschlossen. Es gelang, den eingedrungenen
      Feind zu vernichten bzw. ihn auf die Einbruchsstelle zurückzuwerfen. Die HKL
      wurde trotz weiterer Angriffe und starkem feindlichen Artilleriefeuer gehalten.
      Im Laufe des Tages wurden die Restteile des Bataillons auf der Höhe 43,3 durch
      das III. Bataillon vom Grenadier-Regiment 390 abgelöst.

      Bevor noch die Ablösung beendet war, brach der Russe am frühen Morgen 31. Januar
      1943 wieder westlich der Höhe 43,3 durch. Er drang in Ssinjawino ein und
      blockierte den Bataillonsgefechtsstand. Im Laufe des Tages wurde im alten
      Abschnitt des Bataillons die Lage bis auf die Einbruchsstelle wiederhergestellt.
      Am Abend des Tages wurden die Reste des Bataillons endgültig herausgezogen und
      zum vorgeschobenen Tross nach Tschudowo entlassen.

      In diesen 7 Tagen des Einsatzes hatte das Bataillon 112 Mann Gefallene, 321 Mann
      Verwundete und 34 Mann Vermisste zu beklagen.

      Interessant ist hier auch die Aufstellung der Strafen, weswegen die Mannschaften
      ins Bataillon kommandiert worden waren (Stand 18. Februar 1943):

      8 Mann wg. Fahnenflucht

      20 Mann wg. unerlaubter Entfernung

      4 Mann wg. Feigheit vor dem Feind

      8 Mann wg. Zersetzung der Wehrkraft

      13 Mann wg. Angriff auf einen Vorgesetzten

      5 Mann wg. Befehlsverweigerung

      8 Mann wg. Wachvergehen

      3 Mann wg. Mißbrauch der Dienstgewalt

      54 Mann wg. Eigentumsdelikten

      5 Mann wg. §175 StGB - Unzucht zwischen Männern

      6 Mann wg. sonst. Sittlichkeitvergehen

      1 Mann wg. Volltrunkenheit

      10 Mann wg. sonstiger Vergehen

      Zusammen 145 Mann. Davon waren vor ihrer Bestrafung 1 Offizier (Vergehen nach §
      175) und 1 Beamter (Hinterziehung der Schlachtsteuer) und 25 Unteroffiziere.

      Interessant auch, dass in diesen Zahlen 11 Angehörige der Kriegsmarine und 26
      Angehörige der Luftwaffen enthalten sind.

      Für diese harten Kämpfe - bei denen sich Krinzessa ganz offensichtlich bewährt - erhielt er das Infanteriesturmabzeichen in Silber (toller Vordruck) und das EK 2.
      Bis Okt. 1943 blieb er aber bei der Bewährungseinheit, eine Beförderung erfolgte aber weiterhin nicht.
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      *** Ich suche dringend das Ehrenblatt des dt. Heeres vom 27.9.1943 / Feldwebel Wendland ***

      Ansonsten alles zum Panzervernichtungsabzeichen.
    • Machen wir weiter mit dem Wehrpass ...

      Eine E-Marke gehört auch zum Nachlass, als ich diese aber mit der im WP eingetragenen vergleichen wollte, war ich doch etwas enttäuscht, Krinzessa hatte zwar im Laufe seiner Laufbahn 3 E-Marken, aber keine passte zu der vorhanden!

      Ich wollte sie bereits beiseite legen ... aber als ich die Einheiten im WP mit der Beschriftung verglich - da wußte ich, dass Schütze Krinzessa doch der Träger/Besitzer dieser Marke war:

      LKK RR 1 = Leichte Kav.Kol. Reiter-Reg. 1

      Auf S. 22 seht ihr nun erstmals eine Beförderung - und zwar zum Gefreiten, am 1.3.44 ... über 4 Jahre nach Eintritt in die Wehrmacht ...Was war der Grund?
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      Ansonsten alles zum Panzervernichtungsabzeichen.
    • ... eine wohl recht außergewöhnliche Tapferkeitstat, die zur Verleihung des EK 1 führte!

      Streng genommen wohl sogar als Schütze ... wenn man den Vorschlagsweg bis zur Verleihung des EK 1 einrechnet, müsste er diesen Dienstgrad noch inne gehabt haben. Ich liebe EK1-Verleihungen an "Gemeine"!

      Doch leider fiel Gefreiter Erwin Krinzessa wenige Tage danach durch eine tödliche Verwundung durch Infanteriegeschoss.

      Die Gruppe beinhaltet auch 2 weitere Urkunden - einmal die Heldentodurkunde der Einheit und eine WP-Übersendungsurkunde vom Wehrmeldeamt (als Schmuckvordruck meines Erachtens sehr selten).
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      Ansonsten alles zum Panzervernichtungsabzeichen.
    • Das bewegte Soldatenleben von Erwin Krinzessa endet hier ... aber noch nicht die Geschichte seines Nachlasses.

      Dem Gefreiten Krinzessa wurde posthum die Nahkampfspange der 1. Stufe verliehen.

      Der Nachlass beinhaltet desweiteren Fotos, Sterbebilder, Feldpostbriefe ... abschließend sei noch ein Foto dieses tapferen Soldaten gezeigt.

      Gruß

      Dirk
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      Ansonsten alles zum Panzervernichtungsabzeichen.
    • RE: Gefreiter Krinzessa - vom "Verbrecher" zum Helden

      Hallo Dirk,
      eine sehr interessante und zugleich bemerkenswerte Gruppe die du uns da vorstellst.
      Die kurze aber informative Geschichte dazu gefällt mir sehr gut, Danke fürs vorstellen!!!
      Habe ich in der Art auch noch nicht gesehen und
      denke das es eine sehr seltene Gruppe ist, da die Überlebenschance in einer Bewährungeinheit gleich zu 0 tendieren! ;rexc;

      Gruß Olli
       
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      Suche:
      Urkunden der Sturmgeschütze und Panzereinheiten. Ausserdem Dokumente von Einheiten die 45 im Kampfraum Berlin und Oder kämpften, egal welcher Zustand!

       

    • Guten Morgen Dirk,

      da kann ich mich dem Olli nur anschließen - sehr bemerkenswerte Gruppe und informativ präsentiert.
      Danke für DeineArbeit und für die Vorstellung. Abgerundet wird das Ganze natürlich durch persönliche Dokumente wie das Sterbebild, Porträt usw.

      Offensichtlich wurde der Soldat wieder rehabilitiert, nachdem die letzten Urkunden nicht mehr bei der Bewährungseinheit ausgestellt wurden. Hat Ihm bloß leider auch nicht viel geholfen...

      Gruß Armin.
       
      Nicht verfügbar Suche Soldbücher, Wehrpässe, Urkunden und Konvolute folgender Einheiten: 1. 7. Inf.-Div.: Inf.-Rgt. 19, 61 und 62, Div.-Einheiten 7, 2. gute Portraitaufnahmen der Dt. Polizei bis 1945. SAMMLUNG AUSGELAGERT!!!

       

    • Eine sehr außergewöhnliche und mit Sicherheit auch sehr seltene Dokumentengruppe, die hier vorgestellt wurde. Danke für die Arbeit und Mühen. Das Kapitel der Bewährungseinheiten oder umgangssprachlich auch ganz salopp Strafeinheiten wurde bisher recht spärlich beleuchtet, weshalb es mich sehr freut, so etwas hier einmal real anhand eines Nachlasses zu sehen zu bekommen. Vielen Dank für den sehr interessanten Einblick in dieses doch sehr spezielle und seltene Themengebiet.

      Viele Grüße,
      Cali
    • Original von Wotan
      Vielen Dank für den Link und die ausführlichen und aufschlussreichen Infos!

      Grüße
      Dirk


      Anzumerken wäre zu K. noch, dass sich Männer die sich bei dieser Truppe bewährt hatten, auch weiterhin dort freiwillig verblieben sind und als Rahmenpersonal eingesetzt wurden.

      Es war bei den 500ern im Laufe der Kämpfe und des Krieges eine Art Korpsgeist entstanden.
      Denn die Bew.Tr. 500 waren Kampfeinheiten und Heerestruppe, während die Strafabteilungen usw. mehr beweglichen Konzentrationslagern glichen!
    • Vielleicht interessant bzw. passend zum Thema...

      Ein vermisster meiner Gemeinde !

      Feldpostnr. 07856

      (Mobilmachung-1.1.1940) 6. Kompanie Infanterie-Regiment 406
      (2.1.1940-27.4.1940) gestrichen, wurde Fp.Nr. 06771 C
      (12.7.1941-26.1.1942) Stab u. 1.-3. Kompanie
      Kriegsgefangenen-Dachdecker-Bataillon IX
      dann Stab u. 1.-4. Kompanie Kriegsgefangenen-Dachdecker-Bataillon IX
      (25.1.1943-31.7.1943) gestrichen
      (1.8.1943-23.3.1944) 16.3.1944 Stab, 1. Kompanie u. 1. Batterie
      Kampfgruppe Fischer,
      (24.3.1944-6.11.1944) 6.6.1944 gestrichen.
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      Suche die DK und Demjansk Schild Urkunden von Erwin Kressmann
    • Sehr interessante Gruppe und Faden Dirk !
      Für mich von großem Interesse war er mit die 1 Kavallerie Brigade / Division. Kein Zweifel, wenn er blieb bei diesem Einheit wäre er verloren haben oder in Stalingrad getötet.
      Auch bei der Bewährungeinheit! Ich habe auch ein Soldbuch bis 3 Kompanie/540.

      Gruß
      Ian
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