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Nachlaß eines Meisters der Gendarmerie und Teilnehmers am Boxeraufstand

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    • Hier habe ich noch 2 Bilder aus seinem Militärpaß, seine Bestallung zum Vize-Feldwebel von 1907 und seine Mitgliedskarte des "Reichstreubundes Ehemailiger Berufssoldaten"

      Beim Eintrag im Militärpaß der 1. Gendarmeriebrigade von 1920 hat man auf dem Stempel wohl einfach das "Königl." heruntergekratz um den Stempel weiter zu verwenden. Preußische Sparsamkeit eben! *g*
      Allerdings hat der Adler immer noch seine Krone!!!!!
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    • Habe heute Post vom Bundesarchiv bekommen, leider hatten die ausser seiner Partei-Mietgliedskarte keine weiteren Dokumente, aber besser als nicht!!! Vor allem hat es nur 4 Wochen gedauert, bis ich eine Antwort erhalten habe, dass war viel schneller, als ich erwartet hatt!!!
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    • Ich habe jetzt die Reinschrift des Tagebuchs erhalten und stelle erst ein mal die Passagen, über die zu Gefechtsspangen der Chinadenkmünze berechtigenden Gefechte ein.

      20.09.1900: Gefecht um die Peitang–Forts
      4½ Uhr Zelte abreißen. Kaffe gibt es nicht. Eiserne Portionen werden gegriffen.
      Chinesische Artillerie schießt schon von 1 Uhr nachts, braucht Scheinwerfer, fast kein Auge zugemacht, starkes Herzklopfen. Unsere Artillerie fängt um 5 Uhr an, um 7 Uhr unser Abmarsch zum Sturm. 8 Uhr letzter Schuss der chin. Artillerie. Russische Pioniere suchen nach Minen. Eine Anzahl verwundeter Russen wurden angebracht. Verwundete der Explosion der Minen. 8½ Uhr Halt an der zerstörten Bahnlinie. Tornister wird abgelegt, Sturmanzug. Bis an die Brust stellenweise im Wasser, Russen greifen links von uns an, unsere 5. 6. 7. 8. Comp. waren zu Stelle. 5. 6. 8. Comp. griffen Fort 2 an, die 7. Comp, bei der ich war, das Fort Nr. 1. Im Wasser sind auch Minen. Vorsicht nötig. Plötzlich Explosion von 2 Minen. 2 Mann verwundet, 1 schwer, der andere leicht, beide ins Lazarett. Die Forts genommen ohne Schuss. Unterm Tor mehrere verwundete Chinesen. Forts von Chinesen geräumt. Österreicher Marine kommt nach, hisst Flagge. Auch 17 Geschütze von uns besetzt. Russen, Österreicher und Franzosen auch einige. Wir marschieren nach Fort 2. Halbzug bleibt zurück, es wird abgekocht, daselbst Biwak.

      20.11.1900: Gefecht bei Tsekingwan
      Marsch um 7 Uhr weiter, Nachmittag 3 Uhr. Spitze hält an einem Fluß, wird beschossen. Spitze richtet sich ein, verteidigt die Stellung, bekommt Verstärkung. Es wird vorgegangen, der Fluss wird durch Wiederherstellung einer halb vernichteten Brücke überschritten, ausgeschwärmt, weitergeschossen. Die Chinesen denken durch Vorhalten eines Brettes nicht getroffen zu werden, sie reißen aus, lassen das Dorf im Stich, alles flüchtet in die Berge. Sie bieten uns auf den Bergen ein gutes Ziel, alles was in Schussweite ist wird abgeknallt und kullert die Berge hinunter in die Schlucht.
      Dann geht’s zum nächsten Dorf. Männer kommen uns schon mit Obst, Eiern und Vieh entgegen, damit wir ihnen nichts tun sollen. Es geschieht ihnen auch nichts. Draußen ziemlich kalt. Wir beziehen Quartier. Es bricht ein kleines Feuer aus, von Chinesen angesteckt. Es wurde jedoch gelöscht ohne Schaden zu machen.

      23.04.1901: Gefecht bei Huolu
      Abmarsch 7½ Uhr direkt ins Gebirge, Weg schwierig. Wagen konnten schon einen Tag vorher nicht mehr mitgeführt werden, sondern bleiben bei der Etappe.
      Wir waren am 23. etwa bis 9½ Uhr marschiert, dann kamen wir in ein Tal, links oben auf den Bergen sahen wir eine Art Befestigung, aber keine menschliche Seele zu sehen. Plötzlich, ehe wir uns versahen, fiel ein Kanonenschuss, gleich darauf noch einer, aber ohne uns im Geringsten zu schaden. Wir sahen dann vor der Befestigung und in kurzer Entfernung hinter einem großen Stein Chinesen.
      Der Marsch wird fortgesetzt. Einige Schüsse hatten die da oben zum Schweigen gebracht. Wir waren etwa eine halbe Stunde gegangen, da sahen wir vor uns etwa 4 Forts hoch oben auf den Bergen, aber noch weit entfernt, hatten sämtlich ihre Fahnen enthüllt. Es ging weiter. Als wir so recht vorwärts strebten, um bald heran zu sein wurden wir, bevor der Weg eine Biegung machte, von Steinen und Felsstücken beworfen. Jeder deckte such hinter hervorstehenden Felsen so gut es ging, niemand getroffen. Wenn es etwas nach ließ, ging es sprungweise von einer Deckung zur anderen vor. Ein Pferd wurde getroffen und in die Tiefe gerissen rechts und zur Seite ist eine tiefe Schlucht. Der Weg auf dem wir gehen, ist etwas 2 Fuß breit, stellenweise ganz ausgetreten und links oben auf dem Bergrücken entlang sind Chinesen, die Felsstücke schleudern. Als wir dann dazwischen schossen, verzogen sie sich teilweise. So ging es weiter. Es war wohl Mittags 12 Uhr, der Weg machte eine starke Biegung nach links. Nun lagen uns die beflaggten Forts gegenüber.
      Diese eröffneten nun, als sie uns sichtbar wurden ein mörderisches Feuer. Wir ohne jede Deckung und gleichzeitig von links mit Steinblöcken beworfen, wussten gar nicht, wie uns augenblicklich war. Wir stürmten etwas 100m vor, wo sich uns notwendige Deckung bot. Wir kamen alle glücklich in Deckung – ohne das einer getroffen wurde. Einem Mann wurde der Gewehrkolben zersplittert. Nun erst konnten wir an unsere Verteidigung denken und dem feind gegenüber treten. Die Tornister wurden abgehängt. Dabei erheilt einer einen Schuss durch den Arm. Die Fahnen wurden enthüllt. Wir mussten uns nach rechts auseinander ziehen. Jeder stürzt auf das Kommando hervor, um so schnell als möglich an den bestimmten Platz zu gelangen, der Fahnenträger und Offizier voran. Die Chinesen hatten dies wohl gemerkt und richteten ihr Feuer hauptsächlich dahin, wo wir hervorkamen.
      Dies war ein grässlicher Anblick, den ich wohl nie vergessen werde.
      Es war ein förmlicher Kugelregen. Der Fahnenträger sank schon nach ein paar Schritten durch 4 Schüsse getroffen zusammen. Gleich hinterdrein ein Unteroffizier. Hinter mir hörte ich rufen „Au, Au“ und „mich haben sie getroffen“
      Ich sah mich nicht um, sondern stürmte weiter.
      Auf einer Stelle erhob sich links und rechts eine Erhöhung. Hier lag einer über dem anderen, Blut rinne sah ich, fand dann auch ein Plätzchen für mich. Ich klappte zusammen wie ein Taschenmesser und blieb eine Zeit lang liegen, bis ich zu Atem kam, dann schoss ich lebhaft auf den Feind. Es wurde von beiden Seiten solch lebhaftes Feuer eröffnet, dass es nur so in der Luft schwirrte.
      In dieser Stellung blieben wir bis zum Abend. An ein Vorgehen war nicht zu denken. Der Berg war zu steil und der Weg, der herauf führte mit Minen belegt.
      Von Morgens bis Abends nichts gegessen, nichts zu trinken.
      Die Nacht Deckung verbessert, in der Schützenlinie geschlafen, ohne Mantel, Drillichanzug an, Gewehr im Arm.
      Am anderen Morgen hatte der Feind die Stellung geräumt. Verwundete und Tote mitgenommen. Unsere Zahl der Verwundeten 31, 4 Tote.
      Ich gut davongekommen, Hose durchlöchert, ein Glück.
      Artillerie kommt! Aber zu spät.
      Nächsten Tag abrücken, sämtliche Verwundete wurden auf Bahren, die wir selbst gemacht, von uns durchs Gebirge getragen.


      Ich finde, dass das Tagebuch ein fast einmaliges zeithistorisches Dokument ist.

      Aus seinem Tagebuch konnte ich auch entnehmen, dass er die Chinadenkmünze am 19.10.1901 auf hoher See zwischen Malta und Gibraltar, eingeschifft auf dem Dampfer „Wittekind“, erhielt.
    • Hier noch 2 Bilder seines Arbeitsbuches.
      Kann mir jemand etwas über die Aufgaben eines Bezirkskommissars sagen, konnte dazu nichts finden.
      Es befindet sich nur ein Eintrag der Stadtverwaltung Cranz/Ostpreußen auf der Seite mit den Arbeitsstätten, da das Arbeitsbuch schon 1940 geschlossen wurde, ab da muss er wohl wieder als Meister der Gendarmerie in den normalen Polizeidienst übergewechselt sein.
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      • Arbeitsbuch 1.jpg

        (136,01 kB, 115 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • Arbeitsbuch 2.jpg

        (134,24 kB, 113 mal heruntergeladen, zuletzt: )
    • Bilder vergessen!

      Es ist schade, dass sich sein Weg vom Dezember 44 im Großraum Königsberg bis zum April/Mai 45 in Hamburg nicht mehr nachvollziehen lässt. Ich persönlich denke ja, dass er als Begleitung eines Flüchtlingstransport nach Hamburg gelangte.
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    • RE: Anfrage Veröffentlichung

      Original von boxeraufstand
      Hallo,
      ich bin der webmaster von boxeraufstand.com

      Haben Sie Interesse auf der hp das Tagebuch der Allgemeinheit zugänglich zu machen? Freue mich auf eine (hoffentlich positve)Rückmeldung.

      Grüße aus Düsseldorf Michael Ruhland


      Hallo Michael,

      wir würden uns über eine Verlinkung zum Forum auf Deiner Seite freuen!

      Gruß,
      Nik
      Sammlung Siegenbruck: http://www.dokumentenforum.de/thread.php?threadid=283 – Ahnenforschung: Köln, Essen, Aachen & Rheinland, Ruhrgebiet
    • RE: Anfrage Veröffentlichung

      Original von boxeraufstand
      Hallo,
      ich bin der webmaster von boxeraufstand.com

      Haben Sie Interesse auf der hp das Tagebuch der Allgemeinheit zugänglich zu machen? Freue mich auf eine (hoffentlich positve)Rückmeldung.

      Grüße aus Düsseldorf Michael Ruhland


      Super Seite. Sehr gehaltvoll und informativ!
      Danke für den Hinweis!
      Gruß Eddy
      Gruß Eddy

      Suche alles zu ..... 143. Reserve-Division ..... Füsilier-Bataillon 217
    • Bedanke mich ebenfalls für den obigen Link!

      Im Job "abarbeite" ich seit Monaten alle Ausgaben des "Reichsgesetzblatt", alle Ausgaben von 1871-1945 liegen hier vor. Ich erfasse den Inhalt aller Jahrgänge für eine kommunale Datenbank, es ist eine elendige Abtipperei, ein wahrer Höllenjob, aber die damaligen Inhalte sind doch sehr interessant.

      Unendlich viele Gesetze und Verordnungen über die damaligen "Schutzgebiete/Schutztruppen" des Deutschen Reiches, in jedem Jahrgang vielfach vorhanden, es ist die reine Lust, diese über 100 Jahre alten Bände zu durchforschen.

      Man ließt aber leicht "fest", das ist der einzige Nachteil bei dieser Arbeit an gut 3 Metern Papier im Regal... ;)

      Gruß


      Michel
    • Dieses Einlegeblatt für das Verhalten bei einem Giftgaseinsatz war noch hinten im Soldbuch eingelegt.
      Ausserdem habe ich das Foto aus dem Werhrpaß vergrößert, kann mir jemand sagen von welcher Organisation das Abzeichen (Reichsadler) ÜBER dem Parteiabzeichen stammt?
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    • Original von Turtle
      Hat noch jemand einen Nachlass mit Bezug zum Boxeraufstand oder zu anderen Kolonien und den enstprechenden Südwest-Afrika-Denkmünzen oder Kolonial-Denkmünzen?


      Ja hab ich, sogar mehrere 8)

      Anbei 4 VU zu den jew. Denkmünzen. 2 für China (einmal III.Seebataillon und einmal OA-Expeditionskorps)
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      Suche alles aus den deutschen Kolonien :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Leutwein ()

    • und noch 2 Nichtkämpfer (China und DSWA), beide für dieselbe Person ausgestellt worden.

      Viele Grüße

      Leutwein
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    • Hallo,

      ja die Urkunden stammen alle aus Nachlässen, welche in meinem Besitz sind! Sind aber nur die Urkunden, leider.

      Anbei noch eine recht seltene Variante!!! Mit Originalunterschrift vom Kaiser Wilhelm II

      Zu deiner Frage:

      Gefreiter Biermann erhielt die Kolonialdenkm. für seinen Einsatz in Deutsch-Südwestafrika im Jahre 1897/98 gegen die vereinigten Swartboi-Topnar-Hottentotten und Nordwest-Hereros.

      So und hier die VU zur DSWA-Denkm. aus Stahl an den späteren General der Artillerie und Feldzeugmeister Koehne

      Viele Grüße

      Leutwein
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    • Kann mir jemand sagen, ob die Gefechtsspangen zur China Denkmünzen privat beschafft werden mussten, oder ob man die von den Verleihungsdienststellen erhalten konnte?

      Hier noch die Urkunde zum Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer!
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    • Hab jetzt auch eine schöne China-Denkmünze als Einzelspange!
      .... hätte auch gerne eine Ordensspange mit all seinen Orden, aber ich glaube eine solche wäre wohl nicht gerade günstig:
      Eisernes Kreuz II. Klasse 1914, Verdienstkreuz für Kriegshilfe, Weltkriegs-Ehrenkreuz, Kriegsverdienstmedaille 1939, China-Denkmünze, Dienstauszeichnung I. Klasse, Polizeidienstauszeichnung I. Stufe

      Wäre aber ein schönes Stück.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Turtle ()

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